Eine Bewerbung per Post vermittelt dem Unternehmen, dass sich damit auseinandergesetzt wurde und der Bewerber Zeit und auch Geld investiert hat. Foto: Anton Porsche (superanton.de) / pixelio.de

Bewerbungstipps

Bewerbungen per Post oder E- Mail?

Wie versende ich meine Bewerbung am besten? Klassisch per Post oder doch schneller per E-Mail. Hier die Antwort, wann sich welches Verfahren eignet.

Die Bewerbung per Post oder per E-Mail verschicken? Das fragen sich (Hoch-)Schulabgänger oft, wenn sie sich für eine Stelle interessieren – zumindest, wenn die Adressaten kleinere Unternehmen sind. Denn auf ihren Webseiten gibt es meist noch keine Online-Maske zum Sich-bewerben.

Beim Sich-bewerben gilt: Das klassische Versenden der Bewerbungsunterlagen mit der Post ist meist besser als ein Versenden per E-Mail – zumindest wenn die Empfänger kleinere Unternehmen sind.

Klar ist die Sache, wenn in einer Stellenanzeige steht: „Bitte senden Sie Ihre elekt-ronische Bewerbung an: “ Dann sollten Bewerber diesen Wunsch selbstverständ-lich akzeptieren, betont Alexander Walz, Geschäftsführer der Personalberatung Conciliat, Stuttgart. Dasselbe gilt, wenn in der Anzeige steht: „Bitte senden Sie Ihre schriftliche Bewerbung an:…“

Im Zweifelsfall Bewerbungen per Post versenden

Schwieriger ist die Entscheidung, wenn der Bewerbungsweg nicht vorgegeben wird. Dann empfiehlt Walz Stellensuchern, sich per Post zu bewerben – zumindest bei Klein- und Mittelunternehmen. Denn deren Personalver-antwortliche bevorzugen meist schriftliche Bewerbungen.

Vorteile beim schriftlichen Bewerben

So zum Beispiel Rudolph Welcker, Geschäftsführer der Weseler Teppich GmbH. Er gibt bei qualifizierten Stellen den Bewerbern vor: „Bitte bewerben Sie sich schriftlich.“

Denn aus einer Online-Bewerbung „geht nicht so klar hervor, was für ein Typ ein Bewerber ist“. Allein schon die gewählte Mappe und das gewählte Papier, so Welckers Erfahrung, sagen etwas über den Bewerber aus.

Und aus der Summe solcher Kleinigkeiten könne man schon vor dem eigentlichen Auswahlverfahren in etwa ableiten, „wie ein Bewerber tickt und wie ernsthaft seine Bewerbung ist“.

Auch weil eine schriftliche Bewerbung „eine höhere Investition an Zeit und Geld erfordert“. Hierfür müssen die Unterlagen ausgedruckt, gebunden und eingetütet sowie der Umschlag frankiert und zur Post gebracht werden. Deshalb besteht Welcker bei Stellen, „bei denen auch die mündliche und schriftliche Kommunikation von Bedeutung ist“, auf schriftliche Bewerbungen. Anders ist es, wenn er einen Lagerarbeiter sucht.

Auch Uwe Goldschmidt, Key-Account-Manager bei der Werbeagentur Creativteam, Hannover, empfiehlt Bewerbern, sich im Zweifelsfall „offline zu bewerben – ob-wohl wir ein IT-affines Unternehmen sind“. Denn schriftliche Bewerbungen, die man in die Hand nehmen kann, hinterließen beim Betrachter einen „stärkeren Ein-druck“.

Vergleich von schriftlicher und Bewerbungen per E-Mail

Spätestens nach dem ersten Sichten der Einsendungen, wenn die Firmeninternen sich zusammensetzen, um zu entscheiden, wer in die engere Wahl kommt, werden die Online-Bewerbungen ausgedruckt: „Und zwar in der Regel schwarz-weiß und auf normalem Kopierpapier“, weiß Personalberater Walz.

Die Folge: Wenn die Bewerbungen gesammelt auf dem Tisch liegen, wirken die von der Assistentin hastig zusammengetackerten, ausgedruckten Online-Bewerbungen im Vergleich mit den schriftlichen Bewerbungsmappen billig und farblos.

Zwar betonen alle Unternehmen, die On- und Offline-Bewerbungen zulassen: Wir behandeln alle Bewerbungen gleich. Doch hier muss Berater Walz widersprechen, denn auch die Personalverantwortlichen sind Menschen. „Also wird ihre Entscheidung, welche Bewerbung spricht mich an, auch von solchen Faktoren wie deren Aussehen mitbeeinflusst.“

Schnelligkeit ist nicht ausschlaggebend

Viele Job-Sucher bevorzugen das Sich-bewerben per Email, weil sie denken: Wenn ich schnell auf die Stellenanzeige reagiere, erreiche ich eher mein Ziel. Das ist laut Walz ein Irrtum.

Denn in den meisten Unternehmen bleiben die eingehenden Bewerbungen erst mal liegen bis die Bewerbungsfrist verstrichen ist. Erst danach werden sie von den Verantwortlichen gesichtet und die Bewerber ausgewählt, die geeignete Kandidaten sind. Also bleibt ausreichend Zeit, sich schriftlich zu bewerben.

Eher ist es sogar kontraproduktiv, Bewerbungen zu schnell zu versenden. Wenn eine Bewerbung per Mail zum Beispiel bereits drei, vier Stunden nach Erscheinen der Anzeige bei einem Unternehmen eintrifft, dann ist dies für die Entscheider ein Indiz: Der Bewerber tauschte in seiner Standardbewerbung nur den Adressaten aus.

Fazit: schriftliche Bewerbung ist vorteilhafter

  • Bewerbung, wenn nicht anders gewünscht, immer schriftlich einreichen.

  • Mit einer schriftlichen Bewerbung wird signalisiert: ich habe mich mit der Bewer-bung auseinander gesetzt sowie Zeit und auch Geld investiert.

  • Im Vergleich zu Online-Bewerbungen wirken zugeschickte Bewerbungsmappen authentischer und stechen beim Auswahlverfahren hervor.

  • Online-Bewerbungen können ein Indiz dafür sein, lediglich die Adressdaten ausgetauscht zu haben.

Andrej Winter

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