Helmut Goos (links) und Christian Rothert mit zwei Monitorspezialitäten aus ihrem Haus
Foto: Erik Schäfer

Automatisierungstechnik

Das können wir!

K&E besuchte das Unternehmen Gepro und fragte Geschäftsführer und Gründer Dipl.-Ing Helmut Goos sowie Christian Rothert, Entwicklung, was ihr Unternehmen ausmacht.

Die Gepro, Gesellschaft für elektronische Produkte, gegründet 1991, ist eher Eingeweihten ein Begriff. Geht es um die Entwicklung von Industrie-, Outdoor-, Industrie TFT-Monitore, LCD-Ersatzmonitore für Steuerungen bzw. CNC-Maschinen oder um Industrie Panel-PCs, hier wird man fündig. Viele große Unternehmen, vom Automobilbauer bis zum Werkzeugmaschinenhersteller, wissen die „Unkaputtbarkeit“ der Gepro-Monitore und -Panel-PCs zu schätzen. K&E besuchte den „Hidden Champion“ und sah sich auch die Fertigung des Unternehmens an, die schon bald in ein neues Werk ziehen will, um von bisher drei in Mittenaar verteilten Gebäuden in ein einziges Gebäude einzuziehen.

Herr Goos, in Ihrem Unternehmen arbeiten rund 20 Mitarbeiter, die sich mit der Entwicklung von Optoelektronik und Industrieelektronik befassen. Warum kommen selbst große Kunden zu Ihrem kleinen Unternehmen?

Helmut Goos: Weil wir in erster Linie flexibel sind und auf die Kundenwünsche recht gut und unkonventionell reagieren können.

Übrigens: Sie können die rund 20 Mitarbeiter auf 25 erhöhen.

Sie entwickeln und fertigen beispielsweise industrietaugliche Monitore, bieten die Leiterplattenherstellung, Layouterstellung und sogar die Elektromechanik und -konstruktion an. Das klingt schon sehr speziell…

Helmut Goos: Ja, es muss sein, wenn man ein Produkt kreiert, das man sozusagen „von der Wiege bis zur Bahre“ betreuen muss, dann muss man auch sein Spektrum entsprechend auffächern. Nur dann haben wir das Produkt auch wirklich in der Hand.

Zu Ihnen kommen also entsprechend die Kunden, die das Spezielle suchen...

Helmut Goos: Richtig, denn wir machen was Sie im „Feld-Wald-und -Wiesen-Markt“ so nicht finden können.

Christian Rothert: Die Leiterplattenherstellung sollten wir vielleicht anders definieren...

Helmut Goos: ...ja, die nackte Leiterplatte stellen wir nicht her, sondern das was drauf ist, sprich, die Bestückung.

Das heißt, die Platinenbestückung nehmen Sie hier im Unternehmen vor?

Helmut Goos: Ja, dazu haben wir zwei eigene Bestückungsautomaten.

Nun gelten Elektronikkomponenten als schnelllebig. Wie lange kann denn ein Kunde bei Ihnen noch ein Elektronikersatzteil für seinen Monitor, Panel-PC oder seine Platine erhalten?

Helmut Goos: Im Regelfall mindestens zehn Jahre. Da ist zwar nicht das einzelne Produkt, also das einzelne Bauteil, gesichert, sondern die Funktion des Gesamtgeräts.

Das heißt, wir können dann aufrüsten auf Komponenten die noch verfügbar sind, sodass die Funktion die der Kunde einmal gekauft hat, auch innerhalb von zehn Jahren garantiert ist – das können wir.

Was Sie und Ihre Mitarbeiter hier tun, erinnert eher an echtes Handwerk denn an Industrie. Was waren denn bisher Ihre speziellsten Kundenaufträge?

Helmut Goos: Eine ganze Menge: So haben wir beispielsweise Monitore ausgerüstet für die Expo in Shanghai. Das waren spezielle Outdoor-Monitore. Wir stellen auch spezielle Monitore für Fahrzeuge her, das heißt vom Bagger angefangen bis hin zu Cockpit-Monitoren für Flugzeuge, die beispielsweise mit aus dem Vollen gefrästen Monitorgehäusen ausgestattet sind – das sind so extreme Sachen.

Zur Leiterplattenbestückung: Welche Kriterien sind bei Ihren Kunden hier besonders gefragt?

Helmut Goos: Die Zuverlässigkeit in erster Linie. Wir haben die Philosophie: „Ein Gerät, das bei uns aus dem Haus geht, wollen wir die nächsten Jahre nicht mehr wiedersehen“. Das ist das einfachste (lächelt).

Warum ersetzen Kunden nicht einfach alte durch neue Technik anstatt sich neue Technik in alte Hardware einpassen zu lassen?

Helmut Goos: Das ist immer eine Frage des Geldbeutels: Stellen Sie sich vor eine Fräsmaschine oder einen Drehautomaten, die halten problemlos zwanzig Jahre. Die Standard-Steuerung im Regelfall auch, aber oft ist der Monitor das Verschleißteil. Nur wegen eines defekten Monitors tauscht man keine Steuerung.

Aufgrund dessen haben wir Ersatz kreiert, um die Steuerung und damit die Anlage noch weiter in Betrieb zu halten.

Von welchen Stückzahlen reden wir hier in etwa? Ist das ein großer Markt?

Christian Rothert: Man kann so Eintausend pro Jahr rechnen...

Helmut Goos: Es gibt da ja auch noch Wettbewerber, aber so Größenordnung Eintausend sind es allein bei uns. Der Preis für einen Ersatzmonitor bewegt sich zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Damit können Sie dann eine Anlage am Leben und in der Produktion halten, die beim Erwerb vielleicht Einhunderttausend oder Zweihunderttausend D-Mark gekostet hat. Die mechanische Stabilität einer Fräs- oder einer Drehmaschine ist oft weiterhin voll ausreichend, oder lässt sich auch aufrüsten indem man neue Messmittel und Sensorik mit einbringt. In dem Fall, wo es einfach keinen Sinn macht neu zu investieren, ist das das Vernünftigste was man machen kann!

Das ist interessant auch für Gebrauchtmaschinenhändler, die die Maschinen aufrüsten, aufwerten und dann in Drittländer weiterverkaufen, wo diese überholten Maschinen und Anlagen dann noch viele Jahre produzieren.

Ihre eigenen Produkte, wie etwa ein 70-Zoll-Industrie-Panel-PC oder ein wasserdichter 21,5 Zoll-Desktop-Panel-PC klingen ja nach spannenden Einsatzfeldern. Wer braucht denn die wasserdichte Version?

Helmut Goos: Alle die, die einen Monitor im Außenbereich einsetzen. Das heißt, zu Werbezwecken etwa, Monitore die in Fußgängerzonen stehen, oder zur Besucherführung auf Veranstaltungen. Auch in Baumaschinen, die von außen bedient werden können und dem Wetter ausgesetzt sind haben wir passende Monitore oder Panel-PCs.

Christian Rothert: Der maritime Bereich, Schiffe, Offshore-Windparks oder Windkanäle sind weitere Einsatzbeispiele.

Helmut Goos: Ja, wenn beispielsweise eine Offshore-Windkraftanlage im Meer aufgebaut wird, dann kommen dort Kranschiffe zum Einsatz mit Kränen von Einhundert oder Einhundertfünfzig Metern Höhe. Diese setzen dann die Gondeln auf die Türme. Das können Sie rein optisch als Kranführer vom Schiff aus nicht mehr verfolgen. Daher sitzen auf den Kränen Kameras, die ihre Informationen an den Bediener schicken, der diese auf unserem Monitor sieht und den Kran entsprechend genau navigieren kann. Das geschieht draußen auf See, was bedeutet, dass unsere Monitore Salzwasser, Kälte, Sprühnebel, Regen oder auch Sonnenschein mit hohen Temperaturen aushalten müssen.

Des Weiteren entwickeln und fertigen Sie lineare, primärgetaktete und sekundärgetaktete Schaltnetzteile mit Leistungen von 10 bis 250 Watt. Ein „Abfallprodukt“ der Monitore und Panel-PCs?

Helmut Goos: Ja, das ist so gewachsen, denn in der Zeit als wir angefangen haben, gab es bestimmte Produkte nicht zu kaufen – zumindest nicht mit der entsprechenden Zuverlässigkeit. Da haben wir uns halt selber hingesetzt und was draus gemacht. Mittlerweile vertreiben wir die Schaltnetzteile auch einzeln.

Auch große Industrieunternehmen setzen Ihre Industrie-Monitore ein…das klingt nach großen Serien?

Helmut Goos: Ganz große Serien sind es nicht. Wir haben Serien, die laufen bis zu zwei-, dreihundert Mal im Jahr – das sind aber spezifische Produkte, die so auf dem freien Markt nicht zu haben sind.

Nochmal zurück zum 70-Zoll-Industrie-Panel-PC: Wer braucht in der Industrie solch große Geräte?

Helmut Goos: Die werden zum Beispiel für die Fertigungssteuerung in großen Fertigungshallen eingesetzt. Die Automobilindustrie ist ein großer Bereich, wo unsere Großmonitore eingesetzt werden. Weil die lange Fertigungslinien haben, müssen die notwendigen Informationen eben entsprechend großflächig dargestellt werden.

Herr Goos, Sie fertigen sehr viele Spezialitäten: Können Sie da auf ein Baukastensystem zurückgreifen, oder was ist Ihre Fertigungsstrategie?

Helmut Goos: Im Prinzip haben wir alles modular aufgebaut, sodass wir von kleinen Displays, sprich, von 4 Zoll bis zu den großen Displays bis rauf auf 72 Zoll alles bedienen können. Daraus resultiert eine bestimmte Anzahl an Grafik-Controllern für die TFTs. Die Mechanik und die Gehäuse sind nach Funktion gestaffelt, sodass wir darauf aufbauen können.

Fertigen Sie die Gehäuse selbst?

Helmut Goos: Gehäuse, die aus dem Vollen gefräst werden, fertigen wir hausintern auf unseren beiden Portalfräsmaschinen. Das sind beispielsweise besonders EMV-sichere Gehäuse mit IP69, wie sie etwa im Flugzeug-Cockpit eingesetzt werden. Da darf sich der Betrieb des Monitors nicht auf den Sprechfunk auswirken. Alles was Lasern, Stanzen, Umformen und Lackieren betrifft, vergeben wir extern.

Inzwischen mussten Sie sich nach Erweiterungsmöglichkeiten umsehen und haben ein Gebäude in der Nachbarschaft hinzugekauft. Ein großes Firmenschild sucht man jedoch vergebens. Warum so bescheiden?

Helmut Goos: Das Erste ist, wir haben nicht dazu gekauft sondern wir sind hier eingemietet. Ein Neubau steht an, um alles, was jetzt in drei Gebäuden abläuft, zusammenzufassen – das ist das eine.

Und warum so bescheiden: Wir haben keine Laufkundschaft. Wer uns kennt, weiß wo wir sind und das Geld geben wir für unsere Produkte aus und nicht für´s Image.

Noch ein Wort zu Ihren Produkten: Hardware ist die eine Seite. Wie sieht es mit der Software-Entwicklung aus?

Christian Rothert: Software-Entwicklung im Rahmen der Controller-Entwicklung, also Embedded Software, das machen wir. Windows-Software machen wir zurzeit noch nicht, da fehlt uns schlicht die Manpower dazu.

Gerade für die Embedded Software kommen immer mehr Sicherheitsfeatures zum Tragen. Ist das schon ein Thema bei Ihren Kunden?

Christian Rothert: Bei den reinen TFT-Controllern bisher nicht, da wir die maximal über RS232 von extern ansteuern. Wenn Ethernet dazukommt, wird es zum Thema werden.

Noch ein Wort zu den Trends im Monitor- und Panel-PC-Bereich...

Christian Rothert: Was wir aus dem Consumer-Bereich kennen, die 4K-Auflösung etwa, wird auch bei uns kommen – mit eigenen Con­trollern. Bei HDMI sind wir lizensiert, bei HDCP sind wir lizensiert und die entsprechenden Schnittstellen werden von uns bereitgestellt.

Helmut Goos: Der Trend aus dem Consumer-Bereich, also 16:9- oder 16:10-Displays, der dringt jetzt auch in den industriellen Bereich ein – das kann man ganz klar sehen. Daraus resultiert die höhere Auflösung. Zudem kommt vermehrt die Touch-Bedienung wie jeder das vom Handy her kennt, mit Zehn-Finger-Touch.

Erik Schäfer

www.gepro-gmbh.de

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