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Foto: Sathish Rajendran/Wayne State University
Längere Lebensdauer auf dem Prüfstand: Lithium-Metall-Batterien mit durch Kohlenstoff-Nanomembranen modifizierten Separatoren.

Energietechnik

Doppelte Lebensdauer: Lithium-Metall-Akkus ohne Dendrit

Kann eine Hybridmembran die Lebensdauer von Lithium-Metall-Batterien erhöhen? Wie Chemiker der Uni Jena die Dendrit-Bildung im Akku verhindern wollen.

Beim Aufladen können im Inneren von Lithium-Ionen- sowie Lithium-Metall-Batterien astartige Strukturen (sogenannte Dendrite) entstehen, die deren Lebensdauer begrenzen und durch die Verursachung von  Kurzschlüssen sogar zu einem Brand des Akkus führen können. Die Energiedichte herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien nähert sich zudem einem Sättigungspunkt, der den Anforderungen der Zukunft – etwa in Elektrofahrzeugen – nicht mehr gerecht wird. Lithium-Metall-Batterien können hingegen im Vergleich dazu doppelt so viel Energie pro Gewichtseinheit liefern, doch ihre Anwendung wird durch die Bildung von Lithium-Dendriten eingeschränkt.

Kurz erklärt: Was sind Dendrite?

Lithium-Dendrite sind kleine, nadelartige Strukturen, die ähnlich Stalagmiten in einer Tropfsteinhöhle an der Lithium-Metall-Anode wachsen. Diese Dendriten breiten sich oft so weit aus, bis sie die Separatormembran, die die Elektroden voneinander trennt, durchstoßen, was zu einem Kurzschluss und schließlich zur Zerstörung der Batterie führt. Seit vielen Jahren suchen Experten weltweit nach einer Lösung für dieses Problem. Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es nun gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Boston und Detroit gelungen, die Dendritenbildung zu unterbinden und somit die Lebensdauer einer Lithium-Metall-Batterie mindestens zu verdoppeln. Über ihre Methode berichten die Forschenden in der renommierten Fachzeitschrift „Advanced Energy Materials“.

Wie der Lithium-Metall-Akku geschützt werden soll

Während des Ladungstransfers bewegen sich die Lithium-Ionen zwischen Anode und Kathode hin und her. Immer wenn sie ein Elektron aufnehmen, lagern sie ein Lithium-Atom ab. Diese Atome reichern sich an der Anode an und es bildet sich eine kristalline Oberfläche, die dort, wo sich die Atome ansammeln, dreidimensional wächst und so die Dendriten bildet. Die Poren der Separatormembran beeinflussen die Keimbildung der Dendriten. Ist der Ionentransport homogener, kann das Entstehen der Dendriten vermieden werden. „Deshalb haben wir eine extrem dünne, zweidimensionale Membran aus Kohlenstoff auf den Separator aufgebracht, deren Poren einen Durchmesser von weniger als einen Nanometer haben“, erklärt Prof. Andrey Turchanin von der Universität Jena. 

„Diese winzigen Öffnungen sind kleiner als die kritische Keimgröße und verhindern so die Keimbildung, die das Wachsen der Dendriten auslöst. Anstatt dendritische Strukturen zu bilden, lagert sich das Lithium als glatter Film auf der Anode ab.“ Die Gefahr, dass die Separatormembran dadurch beschädigt werde, bestehe nicht – die Funktionalität der Batterie werde nicht beeinträchtigt.

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Die Schlüsselinnovation ist eine ultradünne Membran

„Um unsere Methode zu überprüfen, haben wir Testbatterien, die mit unserer Hybrid-Separator-Membran ausgestattet waren, immer wieder aufgeladen. Selbst nach Hunderten von Lade- und Entladezyklen konnten wir kein dendritisches Wachstum feststellen“, sagt Dr. Antony George von der Universität Jena. Und Prof. Dr. Leela Mohana Reddy Arava von der Wayne State University in Detroit erklärt: „Die Schlüsselinnovation hier ist die Stabilisierung der Elektroden-Elektrolyt-Grenzfläche mit einer ultradünnen Membran, die den aktuellen Batterieherstellungsprozess nicht verändert. Die Stabilität der Grenzfläche garantiert eine Verbesserung der Leistung und die Sicherheit dieses elektrochemischen Systems.“

Zum Patent angemeldetes Verfahren

Batterien mit hoher Energiedichte vergrößern die Reichweite von Elektrofahrzeugen bei gleichem Gewicht und Volumen der Batterie und sorgen dafür, dass tragbare elektronische Geräte mit einer einzigen Ladung länger halten. „Der Separator bekommt im Vergleich zu den anderen Komponenten der Batterie am wenigsten Aufmerksamkeit“, sagt Sathish Rajendran von der Wayne University. „Das Ausmaß, in dem eine nanometerdicke zweidimensionale Membran auf dem Separator einen Unterschied in der Lebensdauer einer Batterie machen könnte, ist faszinierend.“

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Foto: Turchanin et al./Wiley a) Normale Batterie-Separatoren mit mikroskaliger Porosität verursachen ungleichmäßigen Lithiumtransport während der Lade-/Entladezyklen  b) Die Kohlenstoff-Nanomembran auf dem regulären Batterie-Separator kann das Dendrit-Wachstum im Akku unterdrücken

Das Forscherteam ist zuversichtlich, dass ihre Erkenntnisse das Potenzial haben, eine neue Generation von Lithiumbatterien hervorzubringen. Deshalb haben sie ihr Verfahren zum Patent angemeldet. In einem nächsten Schritt soll nun geprüft werden, wie sich die Anwendung der zweidimensionalen Membran in den Herstellungsprozess integrieren lässt. Zudem wollen die Forschenden die Idee auch auf andere Batterietypen anwenden.

Foto: Swobbee

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