Embedded Vision-Projekt Entwicklung einer Datenbrille für ein großes Luftfahrt-Unternehmen.
Foto: Framos

Bildverarbeitungssysteme

Embedded Vision Systeme im Vormarsch

Embedded Vision Systeme sind für viele Aussteller der Vision 2018 Bestandteil des Portfolios. Unternehmen äußern sich zu dem Trend.

„Embedded Vision Systeme haben sich in rasantem Tempo weiterentwickelt und sind mittlerweile aus dem Kanon der Bildverarbeitungsindustrie nicht mehr wegzudenken. Damit sind sie fester Bestandteil in der Produktpalette vieler Vision-Aussteller. Sie eröffnen bis dato unerschlossene Anwendungsbereiche und treffen damit genau das Motto ‚Be Visionary‘ der diesjährigen Vision 2018“, freut sich Florian Niethammer, Vision-Projektleiter bei der Messe Stuttgart.

Aktuelle Entwicklung der Embedded Vision Systeme

„Viele Applikationen mit größeren Stückzahlen werden mittlerweile auf Embedded Devices umgesetzt, da diese Geräte viele Vorteile gegenüber der Standard-PC-Variante bieten, wie etwa reduzierte Leistungsaufnahme, die Unabhängigkeit von Peripheriegeräten und nicht zuletzt den Preis- und Formfaktor“, beschreibt Christoph Wagner, Product Manager Embedded Vision bei MV-Tec Software die Entwicklung.

MV-Tec stellt auf der Vision 2018 das Release Halcon 18.11 vor. „So wird die neue Version standardmäßig nun auch für 64-bit ARM-Plattformen ausgeliefert, wodurch noch mehr Embedded Devices „out of the box“ mit Halcon laufen werden“, sagt Wagner.

Vision Systeme stehen für einen Trend zur technologischen Annäherung zwischen Industrieanwendungen und der Endverbraucherwelt. „Die ARM-basierten System-on-Chip (SoC)-Lösungen werden immer leistungsfähiger und können speziell beim Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu den im Industrieumfeld noch immer dominierenden X86-Architekturen mittlerweile oftmals gleichziehen“, sagt etwa Gerrit Fischer, Head of Product Market Management bei Basler.

Sein Unternehmen stellt auf der Vision 2018 ein Embedded Vision Development Kit vor. Es dient als Systemansatz, welches unterschiedliche Kompetenten – ein dart Kameramodul mit Bcon for MIPI-Schnittstelle, einen Snapdragon 820 ARM-Prozessor und die pylon Camera Software Suite – vereint.

Den Trend bestätigt auch Frans Vermeulen, Head of Sales and Marketing bei Active Silicon: „Wir erwarten, dass verstärkt Consumer- und off-the-shelf-Technologie in eingebetteten Systemen integriert werden“. Active Silicon wird auf der Vision 2018 ihre Vision Processing Unit präsentieren, einen für die die Integration in einem industriellen oder medizinischen OEM-Gerät entwickelten Embedded Vision-Computer.

„Heterogene Systeme“ nennt Jan-Erik Schmitt die derzeit im Trend liegende Produktkategorie der Embedded Vision Systeme. „Sie sind eine Kombination von mehreren Recheneinheiten, wie beispielsweise unseren Linux-basierten Z-Kameras, die auf einem System-on-Chip mit einem Dual-Core ARM-Prozessor und einer FPGA bestehen“, ergänzt der Geschäftsführer Vertrieb von Vision Components.

Christopher Scheubel, Head of IP & Business Development bei Framos, erläutert einen weiteren Trend bei Embedded Vision: „Die Entwicklung geht nicht nur zur kompletten Einbettung, sondern auch zu Intelligenz – um Geräte selbständig agieren zu lassen und ohne menschliche Interaktion Entscheidungen zu treffen.“ Autonome Fahrzeuge, Service-Roboter in Industrie und Haushalt sowie Drohnen seien hier Vorreiter bei der Anwendung.

Die Zukunft von Embedded und Smart

„Embedded Vision Systeme werden sich vermutlich in allen Branchen, aber insbesondere in der industriellen Produktion etablieren können. Die Umstellung der Produktion auf neue Fertigungskonzepte, beflügelt durch die Grundgedanken von Industrie 4.0, wird den Einsatz von intelligenten Systemen erfordern“, betont Holger Wirth, Vice President R&D Automation bei Isra Vision.

Eine Einschätzung, die auch Paul Maria Zalewski von Allied Vision teilt: „Gerade in den beiden Vertikalmärkten Fabrikautomation und Intelligente Verkehrssysteme sehen wir einen Wandel in Richtung Embedded Vision, weil zum einen der Preisdruck auf die Hersteller dieser Systeme größer wird, zum anderen ihre Kunden immer kompaktere Vision Systeme erwarten“.

Auch Prophesee, ehemals Chronocam, zielt auf die Optimierung der Fertigungsautomation und stellt auf der Vision 2018 ihr Referenzsystem Onboard für ereignisbasierte Bildverarbeitung in Industrie 4.0-Anwendungen vor.

„Jedoch gibt es auch noch Zukunftsmärkte mit deutlich größerem Wachstumspotenzial für Embedded Vision Systeme wie beispielsweise die Bereiche Service Robotics und Smart Home/Building“, so Christoph Wagner von MV-Tec. Auch intelligente Verkehrssysteme, die erneut ein Themenschwerpunkt der Vision 2018 sein werden und unter das Schlagwort Smart Cities fallen, werden als Wachstumstreiber für Embedded Vision-Systeme angesehen. Bespielhaft dafür ist etwa die automatisierte LKW-Parkplatzzuweisung mit einem Embedded Vision-System des langjährigen Vision-Ausstellers Vision Components sowie deren Software zur automatischen Kennzeichenerkennung.

„Embedded Vision Systeme zeigen ihr volles Potenzial in Internet of Things-Umgebungen und vernetzten Systemen. Wir sehen sehr großes Potenzial in den Bereichen Home Devices & Robotics, Automotive, Retail und Surveillance“, ergänzt Christopher Scheubel mit seiner Einschätzung.

Bei Stemmer Imaging möchte man sich nicht auf einzelne Anwendungsbereiche beschränken: „Die Portierung der Version 2018 unserer Softwarebibliothek Common Vision Blox für ARM-basierte Plattformen unter Linux erlaubt für viele Applikationen einen einfachen Wechsel von PC-Systemen hin zu neuen Embedded-Lösungen. Wegen dieser neuen Flexibilität sollte der Einsatz der Embedded-Technologie individuell nach Leistungserfordernissen, Platzbedarf und anderen Randbedingungen erfolgen“, so Peter Keppler, Director of Corporate Sales.

Schnittstellenanbindung

Bei der Schnittstellenanbindung sieht man bei Allied Vision einen Trend zu Kameramodulen, die MIPI CSI-2 unterstützen. Dieser bereits bei mobilen Endgeräten benutzte Standard bildet eine Basis für die Standardinitiative „Industrial Embedded Vision Interface“ der European Machine Vision Association (EMVA). Isra Vision bringt darüber hinaus industrielle Standard-Schnittstellen auf Basis von Ethernet ins Spiel, denn: „Durch den Einsatz von Standard-Schnittstellen auf Basis von Ethernet, etwa Industrial Ethernet wird die Integration für die Kunden einfacher“, so Wirth. Das Unternehmen wird auf der Vision 2018 unter anderem eine neue Embedded-Kamera für die Roboterführung und 3D-Lageerkennung vorstellen. OPC-UA und WLAN sind weitere Schnittstellen, die von den neuen Embedded Vision-Systemen von Isra Vision unterstützt werden.

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