Patrick E. aus Brafoyaw Cape Coast in Ghana erhielt via Opportunity International Deutschland (OID) die Möglichkeit zu einer Ausbildung zum Automechaniker: „Ich war schon immer von Autos begeistert“.
Foto: OID

Young Professionals

Jugendliche in der Ausbildung unterstützen

In afrikanischen Ländern bezahlen Jugendliche für die Ausbildung. Vielen Familien ist das zu teuer. Das YAP-Projekt ist für diese Azubis die letzte Chance.

Während in Deutschland dieser Tage Unternehmen händeringend nach Auszubildenden suchen, finden in afrikanischen Ländern interessierte Jugendliche nur sehr schwer eine Ausbildung. Ausbilden ist zu „teuer“ und aufwändig. Dabei lässt sich die komplette dreijährige Ausbildung eines Automechanikers in Afrika zum Beispiel mit rund 1.000 EUR finanzieren. Jugendliche prägen die Zukunft eines Landes. Eine fundierte Ausbildung ist dabei die wesentliche Voraussetzung dafür, dass ein junger Mensch für sich selbst und seine Familie sorgen und in seiner Heimat leben kann.

Deutsche Unternehmen können die Jugendlichen in der Ausbildung unterstützen

Deutsche Unternehmen können die Ausbildung eines Afrikaners auch aus der Ferne unterstützen. Wie zeigt die Geschichte des heute dreißigjährigen Patrick E. aus Brafoyaw Cape Coast in Ghana. „Ich habe mich schon immer für Autos begeistert“, erzählt Patrick. „Bereits als kleiner Junge wollte ich mir jedes Fahrzeug aus der Nähe anschauen. Dass ich heute Automechaniker bin, erfüllt mir einen großen Traum. Ich kann mit dem Reparieren von Autos ganz konkrete Probleme beheben. Gleichzeitig gibt es mir die Möglichkeit, den unterschiedlichsten Menschen zu begegnen. Und natürlich kann ich nun für mich selbst und meine Familie sorgen.“

Vom Arbeitslosen zum Unternehmensgründer und Ausbilder

Die Startbedingungen waren für Patrick alles andere als gut: Als neuntes und letztes Kind seiner Familie, in der der Vater früh verstarb, konnte er gerade einmal die Junior High School abschließen. Die Chancen auf ein Studium oder zumindest eine Ausbildung standen schlecht. Für Patrick ein unerträglicher Zwiespalt: „Ich wollte mich gerne weiterentwickeln und für mich selbst sorgen können, jedoch gab es keine Möglichkeit dafür, denn meine Familie war arm und konnte sich die Ausbildungskosten nicht leisten. Denn in Ghana kostet eine Ausbildung Geld, sogenanntes Lehrgeld. Die Zeit nach meinem Schulabschluss war daher eine harte, beschwerliche Zeit mit wenig Hoffnung.“

Über seine ältere Schwester erfuhr Patrick dann vom Youth Apprenticeship Program (YAP) von Opportunity International Deutschland (nähere Infos zur Stiftung siehe Textende oder hier). Dieses Programm ermöglicht arbeitslosen Jugendlichen in Ghana eine dreijährige handwerkliche Berufsausbildung. Die Teilnehmer des Jugendausbildungsprogramms stammen aus armen Familien: Jugendliche, die aus Geldmangel frühzeitig die Schule abbrechen mussten oder nach dem Schulabschluss keine Ausbildung machen konnten. Viele von ihnen haben große Träume, was sie mit der Ausbildung erreichen wollen und sind hochmotiviert. So auch Patrick, der sehr schnell wusste, dass er nach seiner Ausbildung selbst Jugendliche ausbilden und eine eigene Werkstatt haben wollte.

Kompetenzzentrum am Straßenrand

Am Beginn seiner Ausbildung erhielt er noch ein wenig Unterstützung von seiner Mutter. Als diese jedoch in Rente ging, musste er ohne ihre Hilfe zurechtkommen. Dank der Mithilfe seines Ausbilders war das möglich. Mit der offiziellen Abschlussprüfung erhielt er schließlich einen staatlich anerkannten Berufsabschluss und qualifizierte sich für die Aufnahme eines zinslosen Start-up Kredits, der ihm die Gründung eines eigenen kleinen Unternehmens ermöglichte. Patrick mietete zusammen mit einigen Freunden direkt nach der Ausbildung eine kleine Werkstatt und gründete 2012 sein eigenes Unternehmen. Dort repariert er vor allem deutsche und japanische Fahrzeuge, weil er von diesen Marken und deren Qualität begeistert ist. Sein Hauptgeschäft ist der Einbau von Ersatzteilen. Diese bestellt er bei Abossey Okai in Ghanas Hauptstadt Accra und bekommt sie dann in die Werkstatt geliefert. Neben Fahrzeugmechanik kennt er sich ebenfalls mit der Fahrzeugelektronik aus und nutzt diverse Diagnose-Tools.

Heute arbeiten fünf Personen in Patricks Werkstatt: ein Elektriker, ein Klimaanlagen-Spezialist, ein Schweißer und zwei Mechaniker. Dazu kommen vier Auszubildende. Den Traum, selbst Ausbilder zu werden, hat sich Patrick also bereits erfüllt. Damit ist er also längst nicht mehr nur Nutznießer des Programms, sondern gibt sein Können an die nächste Generation weiter.

Den Kreislauf durchbrechen

In den YAP-Projekten werden die Jugendlichen in landestypischen Berufen beispielsweise zum Friseur, Schneider, Koch, Automechaniker, Schreiner, Maurer oder Metallarbeiter ausgebildet. Zudem erhalten sie in regelmäßigen begleitenden Workshops Schulungen zu betriebswirtschaftlichen Themen wie Buchhaltung, Betriebsführung und Zeitmanagement. Ebenfalls Life-Skills wie Entscheidungsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Gesundheitsfragen, Bürgerrechte und christliche Werte stehen auf dem Programm. Vor Ort begleiten YAP-Mitarbeiter die Jugendlichen und helfen bei Fragen und Problemen. Meist kennen sie die Probleme, die die Hoffnungslosigkeit ohne Ausbildung und Zukunftschancen mit sich bringen, aus eigener Erfahrung.

Mit der offiziellen Abschlussprüfung erhalten die jungen Frauen und Männer einen staatlich anerkannten Berufsabschluss. Erfahrungsgemäß bestehen ca. 90 % der Auszubildenden die Prüfung. Damit qualifizieren sie sich für die Aufnahme eines zinslosen Start-up Kredits, der ihnen die Gründung eines eigenen kleinen Geschäfts ermöglicht. Viele von ihnen werden von ihren Ausbildern als Angestellte übernommen oder finden schnell eine andere Arbeitsstelle. So können sie den Kreislauf der Armut eigenständig durchbrechen.

Ausbilder beim YAP-Programm in Afrika werden

Über das YAP-Programm können auch deutsche Unternehmen die Ausbildung afrikanischer Jugendlicher fördern. Mit ca. 1.000 EUR (Mittelwerte der vergangenen Jahre) lassen sich die kompletten Kosten für die dreijährige Ausbildung decken, samt einer Krankenversicherung für drei Jahre, Arbeitswerkzeug, das nach Ausbildung in Besitz der Azubis bleibt, sowie einem zinslosen Start-up Kredit für qualifizierte Absolventen. Unternehmen, die sich auf eine solche Partnerschaft einlassen, finanzieren für mindestens zwei junge Menschen in Ghana eine komplette dreijährige Ausbildung. Die Firmenspende kann selbstverständlich steuerlich geltend gemacht werden. Zudem erhalten Spenderfirmen Material, mit dem sie ihr Engagement zum Beispiel im Rahmen ihrer Corporate Social Responsability bekannt machen können.

Das Redaktionsbüro Stutensee ist seit 2018 „Ausbilder in Afrika“. Geschäftsführer Alex Homburg erklärt, wie er dazu kam: „Auslöser waren für mich die Mikrokredite, die Opportunity International seinerzeit noch verstärkt vergab. Als Unternehmer kann ich nachvollziehen, dass Start-ups liquide Mittel benötigen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Früher war das in Ghana sehr schwer. Das hat sich mittlerweile etwas geändert.“ Nach den guten Erfahrungen mit der Stiftung blieb Homburg dabei und spendet heute für die Ausbildung afrikanischer Jugendliche: „Die Idee mit der Ausbildungsfinanzierung fasziniert mich aus ähnlichen Gründen wie die Mikrokredite. Eine fundierte Ausbildung ist ja fast noch ein wichtigeres „Startkapital.“ Mich begeistert, mit welcher Leidenschaft diese jungen Menschen in ihre Ausbildung investieren, welch große Träume sie haben und wie stark der Wunsch ist, ihr Umfeld positiv zu verändern.“

Am Beispiel von Patrick wird deutlich, wie solche Spenden nicht nur das Leben einzelner verändern, sondern weitere Kreise ziehen. Viele Träume wurden für Patrick bereits Realität. Ein Traum bleibt dem 30-jährigen noch: Der Traum vom eigenen Auto. Hat er einen Favoriten? „Ich bin begeistert von Mercedes Benz. Mein Lieblingsauto ist die E-Klasse,“ schmunzelt der Ghanaer.

Über Opportunity International Deutschland (OID)

Opportunity International Deutschland (OID) ist eine gemeinnützige, christlich motivierte Stiftung, die sich der Vision verschrieben hat, eine Welt zu schaffen, in der alle Menschen die Chance auf ein selbstbestimmtes, würdevolles und sinnerfülltes Leben ohne Armut haben. OID bietet dazu Beratung, Schulungen sowie den Zugang zu finanziellen Ressourcen und befähigt damit in Armut lebende Menschen, ihr Leben, die Zukunft ihrer Kinder und Gemeinden tiefgreifend zu verändern. Dazu kooperiert die Stiftung weltweit mit lokalen Partnerorganisationen, die innovative Finanzierungskonzepte entwickeln, mit dem Ziel, Menschen zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und lebendige Gemeinden aufzubauen. In Ghana beispielsweise ist der langjährige lokale christliche Partner Sinapi Aba Trust (SAT). Sinapi bedeutet „Senfkorn“, der Name entspringt dem Gedanken, dass aus einem kleinen Samenkorn Großes entstehen kann. Sitz von Opportunity International Deutschland ist in Köln.

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