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Auch eine Auswirkung der Krise: Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) müssen mit steigenden Kosten für Kredite rechnen.
Foto: Boris Zerwann
Auch eine Auswirkung der Krise: Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) müssen mit steigenden Kosten für Kredite rechnen.

Management

Kommentar: Wie kommt der Maschinenbau durch die Krise?

Für viele Unternehmen im Maschinenbau waren die vergangenen Krisenmonate eine große Herausforderung – und darin wird sich so schnell nichts ändern. 

Worauf muss sich die deutsche Maschinenbau-Branche einstellen, steuern wir auf ein drittes Krisenjahr zu? Wie steht es um Inflation und Lieferengpässe? Und wie wird sich die Kreditnachfrage im kommenden Jahr entwickeln? Geht es nach den Analysten der Schweizer Finanzierungsplattform Teylor, stellt sich die nahe Zukunft für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wie folgt dar:

Die Corona-Krise wird KMU auch im Jahr 2022 weiter beschäftigen. Zumindest in den Wintermonaten sind weitere lokale Lockdowns möglich, die vor allem die Gastronomie und Unterhaltungsbranche belasten könnten. Mit einem deutschlandweiten Lockdown rechnen wir zwar nicht mehr, es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Omicron-Variante aus Südafrika schärfere Einschränkungen notwendig machen könnte. Wir erwarten darüber hinaus für 2022 einen Rückgang der Inflation in Deutschland. Sowohl Einmaleffekte wie die Mehrwertsteuer-Anhebung als auch steigende Rohstoffpreise durch Lieferengpässe werden sich zwar nur als temporär erweisen. Dennoch rechnen wir mittelfristig mit einer höheren Preissteigerung als in den vergangenen Jahren, aufgrund steigender Umweltkosten durch Maßnahmen wie CO2-Abgaben und potenzieller Handelsstreitigkeiten mit China. Unsere Inflationserwartung für 2022 beträgt zwischen 2,2 und 3,5 %.

Weiterhin Lieferengpässe im Maschinenbau

Insbesondere in der ersten Jahreshälfte dürften KMU weiter von den aktuellen Lieferengpässen belastet werden. Vor allem produzierende Unternehmen, die auf Inputprodukte wie Mikrochips angewiesen sind, werden ihre Produktion weiterhin auf niedrigerem Niveau halten müssen. Wir erwarten, dass Hersteller und Lieferanten ihre logistischen Herausforderungen im ersten Halbjahr weitgehend lösen werden und auch der temporäre Nachfrageschub schrittweise zurückgeht. In der zweiten Jahreshälfte rechnen wir daher mit einer signifikanten Verbesserung der Lieferketten und einem Produktionszuwachs.

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Für 2022, aber auch für die darauffolgenden Jahre prognostizieren wir leicht steigende Finanzierungskosten für KMU. Insbesondere bei Immobilienfinanzierungen konnten wir diesen Effekt bereits 2021 beobachten. Die höhere Inflation wird zu höheren Zinsen führen, auch wenn diese insgesamt im Vergleich mit dem Niveau der vergangenen 50 Jahre auf niedrigem Niveau bleiben werden.

Kreditvergabe in Krisenzeiten

Auch die Kreditnachfrage wird 2022 nach unserer Ansicht wieder ansteigen. In der Regel folgt die Kreditentwicklung dem Wirtschaftswachstum mit vier bis sechs Quartalen Verzögerung. Während der Covid-Krise gab es zwar einen stärkeren Wirtschaftsrückgang als beispielsweise in der Finanzkrise 2008, aber auch eine stärkere wirtschaftliche Erholung. Bislang dämpfen die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen den Kreditzyklus noch. Dieser Effekt wird sich spätestens im Jahr 2022 soweit abgeschwächt haben, dass die Kreditnachfrage mit der wirtschaftlichen Erholung aufschließen wird.

Die zunehmende Digitalisierung wird hingegen positive Auswirkungen auf die KMU-Kreditvergabe haben. Für viele Banken ist die KMU-Kreditvergabe heute unrentabel; im Schnitt liegt die Eigenkapitalrendite für KMU Kredite aktuell 4,3 % unter den Eigenkapitalkosten. Digitale Kreditprozesse senken allerdings die Kosten und erhöhen die Margen, was sich auch positiv auf die Kreditkosten auswirken wird. Zusätzlich rechnen wir damit, dass digitale Kreditplattformen, private Kreditfonds und alternative Finanzierer weiter Marktanteile erobern werden, was die Flexibilität bei Finanzierungen für KMU erhöht.

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Kleineren Maschinenbauern die Finanzierung zu erleichtern., ist ein primäres Ziel von Teylor. Das Unternehmen hat sich als führende Plattform für Firmenkredite in Deutschland etabliert und seine Software-as-Service-Lösung in mehreren Banken integriert.
Foto: Thomas Reimer
Kleineren Maschinenbauern die Finanzierung zu erleichtern., ist ein primäres Ziel von Teylor. Das Unternehmen hat sich als führende Plattform für Firmenkredite in Deutschland etabliert und seine Software-as-Service-Lösung in mehreren Banken integriert.

Branchen im Fokus

  1. Automobilindustrie: Sowohl Automobilhersteller als auch Zulieferer werden vor allem im ersten Halbjahr weiterhin mit Lieferengpässen zu kämpfen haben. Das betrifft insbesondere Halbleiter-Mikrochips. Die Folge sind weiterhin verlängerte Lieferzeiten und verringerter Output. Der Wegfall von Rabatten wird Neuwagen verteuern. Der Exportrückgang in China könnte zudem die Margen der deutschen Automobilhersteller belasten. Die größte Herausforderung für die Automobilwirtschaft in den nächsten Jahren wird die Umstellung von Benzin- auf Elektroautos darstellen. Das wird für zusätzliche Nachfrage nach neuen Fahrzeugen führen, aber auch massive Investitionen notwendig machen. Während große Automobilproduzenten Zugang zur kompletten Palette des Kapitalmarktes haben, sind die KMU der Branche hauptsächlich auf die Kreditfinanzierung angewiesen. Zum Teil werden diese Kredite durch staatliche Fördermaßnahmen ergänzt werden, dennoch rechnen wir mit einem deutlichen Anstieg der Kreditnachfrage. Dabei werden vor allem Maschinenfinanzierungen für neue Produktionsanlagen und -methoden benötigt werden, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Betriebsmittelkredite für die Fertigung.
  2. Maschinenbau: Der Maschinenbau wird 2022 stark wachsen. Der Verband VDMA rechnet mit einem um Preissteigerungen bereinigten Produktionszuwachs von 5 %. Die exportorientierte Industrie könnte nach eigener Einschätzung mit ihren gut gefüllten Auftragsbüchern noch schneller wachsen. Herausforderungen für die Branche sind Lieferengpässe, vor allem bei elektrotechnischen und elektronischen Komponenten. Betriebe müssen deshalb zumindest vorübergehend ihre Beschaffung und Distribution umstellen, zum Beispiel mit zusätzlichen Lieferanten, einer größere Lagerhaltung und alternativen Lieferwegen. Die Kreditnachfrage wird nach dem Einbruch zum Jahresanfang wieder steigen. Für das gesamte Jahr 2021 erwarten wir eine Zunahme des Kreditbestandes von 3,1 % im Vergleich zum Vorjahr und für das Jahr 2022 mit einem Plus von 4,9 %. Steigende Kreditnachfrage erwarten wir vor allem im Working Capital Financing, insbesondere bei der kurzfristigen Zwischenfinanzierung von Rohstoffen und Vorprodukten.
  3. Chemie-Industrie: Hohe Gas- und Strompreise werden die Chemieindustrie auch 2022 weiter belasten. Gas ist teuer und knapp zugleich, was auch Produktionsprozesse ausbremst. In der Chemie-Industrie ist Gas etwa zur Herstellung vieler Basisstoffe erforderlich. Zusätzlicher Preisdruck ergibt sich durch geplante Tarifrunden, die insbesondere auch die Chemie-Industrie betreffen. Die politisch geforderte Reduzierung von Treibhausgasen wird auch in der Chemie-Industrie massive Investitionen in neue Produktionsanlagen und -methoden erforderlich machen. Daher rechnen wir mit einem Anstieg insbesondere im Bereich der Maschinen- und Objektfinanzierung. Die Bereitstellung öffentlicher Fördermittel für den ökologischen Umbau wird indes dämpfend auf die Kreditnachfrage wirken.
  4. Informationstechnik und Telekommunikation: Trends in der IT-Branche werden wie schon im Jahr 2021 die zunehmende Digitalisierung, steigende Sicherheitsanforderungen, zunehmender Einsatz von Künstlicher Intelligenz und steigende Nachfrage nach Cloud-Lösungen, wie sie auch Teylor anbietet, sein. Gerade vor dem Hintergrund weiterer Lockdowns wird auch das Home Office weiterhin eine Rolle spielen. Die IT-Branche wird daher 2022 weiterhin gefordert sein, Lösungen rund um Arbeitskräfte und Belegschaft, flexibles Arbeiten, Produktivität und Unternehmenskultur bereitzustellen. Der Digitalisierungsdruck wird weiter steigen, auch vor dem Hintergrund der Klimapolitik, und weil der Grad wirtschaftlicher Vernetzung weiter zunehmen wird. Da IT-Firmen im KMU-Bereich weiterhin Kredite benötigen, um neue IT-Projekte vorzufinanzieren, wird die Kreditnachfrage auch im Jahr 2022 weiter steigen. Vor allem die Nachfrage nach Cloud-Lösungen ist in der Krise gestiegen, was aufseiten der Dienstleister den Kapazitätsausbau beschleunigt hat. Zusätzlich dürften Investitionen in Sicherheitsinfrastruktur deutlich zulegen.
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