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Hingucker und Besuchermagnet: Auf dem Messestand von Dr. Tretter war eine Honda CB 900 F in die Fixierung eingespannt.
Foto: Dr. Erich Tretter, Maschinenelemente
Hingucker und Besuchermagnet: Auf dem Messestand von Dr. Tretter war eine Honda CB 900 F in die Fixierung eingespannt.

Inhaltsverzeichnis

Schienenführung

Motorräder sicher auf Prüfständen fixieren 

Für die Fixierung von Motorrädern fertigt S. Bleyer spezielle Vorrichtungen. Warum setzt der Metallbearbeiter dabei auf die Schienenführungen von Dr. Tretter?

Der Metallbearbeiter S. Bleyer fertigt Lösungen, mit denen sich Fahrzeuge auf Prüfständen sicher fixieren lassen. Zu den Neuentwicklungen gehört nun auch eine Vorrichtung für Motorräder. Diese soll sowohl Dauertests standhalten können als auch leicht zu bedienen sein. Verbaut sind präzise, belastbare und leise laufende NSK-Schienenführungen. Geliefert hat diese Dr. Tretter, autorisierter Vertriebspartner der japanischen Premiummarke.

Kein Prüfstand ohne Fixierung

„Auf einem Prüfstand soll ein Fahrzeug fahren können, ohne sich nach vorn zu bewegen. Ganz wichtig dabei: Es muss sicher fixiert sein“, erläutert Patrick Maier. Der Maschinenbautechniker arbeitet als Konstrukteur bei S. Bleyer im schwäbischen Schorndorf, knapp eine halbe Autostunde von Stuttgart entfernt. Zu den Hauptthemen des Metallbearbeitungs-Betriebs gehören die Abgasprüftechnik für sämtliche Fahrzeugtypen, verfahrbare Monitoranlagen und Fahrleitsysteme – und eben auch Fahrzeugfixierungen für Prüfstände. Unter den Kunden befinden sich Zulieferer ebenso wie die großen Automobilhersteller und Drittanbieter wie technische Prüforganisationen, etwa der TÜV. „Ob für die Industrie oder Forschung und Entwicklung, wir fertigen Einzelstücke, Sonderlösungen, Prototypen und Kleinserien“, beschreibt Maier.

Spannungs- und spielfreie Fixierung für Zweiräder

Aufgabe der Fixierung ist es, Fahrzeuge mit Front-, Heck- oder Allradantrieb auf verschiedenen Rollen- und Bandprüfständen schnell, sicher, spannungs- und spielfrei festzuhalten. Das Rad kann sich dabei auf einer Rolle drehen und beschleunigen – darüber lassen sich dann auch die Messdaten aufnehmen. „Bisher haben wir Fixierungen insbesondere für Pkw und auch größere Fahrzeuge entwickelt“, sagt Maier. „Nun kam ein Kunde auf uns zu und wollte eine Lösung für Motorräder, um auf den Prüfständen ihre Leistung messen und die Funktionen prüfen zu können.“

Beim Motorrad wird in der Regel das Hinterrad angetrieben. Deswegen galt es, das Vorderrad aufzunehmen, zu klemmen und sicher zu fixieren. Die Vorrichtung sollte sich dabei möglichst einfach handhaben lassen. Entscheidend ist, dass sich die Zentrierung für Dauertests eignet. Denn ein Testlauf kann sich über 24 Stunden und länger hinziehen. Damit wird den verbauten Komponenten einiges abverlangt, insbesondere in Bezug auf ihre Festigkeit.

Die Frage nach der richtigen Schienenführung

Beide Klemmelemente bewegen sich über einen Spindelantrieb aufeinander zu. Mit diesem Antrieb lassen sich hohe Kräfte transportieren. Der Bediener drückt dazu einfach auf einen Fußschalter, um die Klemmung zu schließen und zu öffnen. Damit kann er die Fixierung auf die verschiedenen Radbreiten anpassen. „Um das Klemmelement sicher aufnehmen und verfahren zu können, benötigten wir Schienenführungen, die sowohl schwere Lasten tragen und hohe Momente ermöglichen als auch leise laufen, um eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen“, berichtet Patrick Maier.

Baureihe mit hohen Tragzahlen 

Die passenden Lösungen fand der Konstrukteur bei Dr. Tretter. Beide Unternehmen arbeiten seit Jahren erfolgreich zusammen. „Wir bieten nicht nur eigene Entwicklungen an, sondern sind auch autorisierter Vertriebspartner von NSK, der japanischen Premiummarke für Lineartechnik“, erläutert Dr. Tretter Außendienstmitarbeiter Andreas Bosnjak, der S. Bleyer betreut. Zum Programm gehört ein ausgewähltes Spektrum an hochwertigen Schienenführungen für vielseitige Anwendungsfälle. Es umfasst die gängigen Komponenten in Kompakt-, Standard- und Flansch-Ausführung sowie breite und flache Schienen.

„Wir lieferten die Baureihe NH in Baugröße 25“, berichtet Bosnjak. Diese ist sehr genau und bietet extrem hohe Tragzahlen. Dazu kommt ein ruhiger und gleichmäßiger Lauf sowie die Fähigkeit, Ausrichtungsfehler selbst ausgleichen zu können, um interne Lasten zu minimieren. Integriert ist unter anderem eine Langzeitschmiereinheit. Verbaut sind zwei 590 mm lange Schienen. „Uns stand wenig Höhe zur Verfügung. Deswegen haben wir uns für einen langen und niedrigen Wagen entschieden“, sagt Konstrukteur Maier: „Die gewählte Baureihe kann damit die auftretenden Querkräfte selbst bei dem geringen Bauraum sicher aufnehmen.“

Partnerschaftliche und dauerhafte Zusammenarbeit

Bei allen Komponenten, die S. Bleyer nicht selbst herstellt, inklusive Normteilen, greift das Unternehmen auf ein ausgewähltes Netzwerk an Zulieferern zurück. Mit Dr. Tretter kooperiert es schon lange – insbesondere, wenn hochwertige Schienenführungen gefordert sind. „Für uns ist es sehr wichtig, partnerschaftlich und dauerhaft mit unseren Lieferanten zusammenzuarbeiten“, betont Maier. „Damit kennen wir ihre Stärken und vielleicht auch ihre Schwächen.“ Vertrauen spielt für den Konstrukteur dabei eine entscheidende, der Preis eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig ist zudem die räumliche Nähe. Gerade mal 15 Kilometer trennen Schorndorf von Rechberghausen, dem Firmensitz von Dr. Tretter.

Der Kunde hat den Metallbearbeiter erstmal mit dem Bau von sechs Fixierungen für die Motorräder beauftragt. „Unsere Expertise liegt in der Entwicklung hochwertiger Spezialanwendungen. Manchmal bleibt es bei einem Einzelstück oder wenigen Anlagen, manchmal wird auch eine Serie daraus. Wir sind weltweit unterwegs, und der Bedarf an diesen Lösungen besteht“, weiß Patrick Maier: „Also kann ich mir gut vorstellen, dass auch andere Kunden an dieser Vorrichtung so oder etwas abgewandelt interessiert sind.“

Auf der Motek 2023 in Stuttgart präsentierte Dr. Tretter die Fixierung zusammen mit einem echten Klassiker – einer Honda CB 900 F – einem breiten Fachpublikum. „Das war auf der Messe ein echter Hingucker und ein richtiger Besuchermagnet“, resümiert Andreas Bosnjak.