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Foto: Airbus Helicopters GmbH
Hightech für Highspeed: Der nachhaltige produzierte Helikopter „Racer“ ist für eine Reisegeschwindigkeit von über 400 km/h ausgelegt.

Nachhaltigkeit

Nachhaltig produzierter CFK-Helikopter fliegt Highspeed

Dieser leichte Highspeed-Helikopter aus CFK-Verbundbauteilen bringt es auf Fluggeschwindigkeiten von bis zu 400 km/h und verbraucht dabei wenig Treibstoff. 

Ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts für Gießerei-, Composite und Verarbeitungstechnik IGCV hat gemeinsam mit Airbus Helicopters eine neuartige, nachhaltige Fertigungsmethode entwickelt und präsentiert jetzt einen Highspeed-Hubschrauber, der unter anderem aus CFK- Bauteilen besteht. Mit einem Flugtempo von mehr als 400 km/h ist die innovative Konstruktion namens „Racer“ (Rapid and Cost-Effective Rotorcraft) deutlich schneller unterwegs als herkömmliche Helikopter, die es etwa auf eine Geschwindigkeit von 230 bis 260 km/h bringen.

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit, durch die sich der Racer auszeichnet. Die Decklagen seiner Seitenschalen bestehen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK), der Sandwichkern aus Phenolharzwaben. Bislang werden solche großformatigen, in Sandwichbauweise hergestellten Schalen manuell im Handlegeverfahren gefertigt – ein zeitaufwändiger, kostspieliger Prozess.

EU-weite Initiative für eine umweltfreundlichere Luftfahrt

Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer IGCV in Augsburg haben in Kooperation mit Airbus Helicopters ein Fertigungsverfahren entwickelt, das es ermöglicht, die CFK-Schalenbauteile hochautomatisiert herzustellen. Die automatisiert gefertigten 3,4 x 1,5 m großen Schalensegmente bilden den hinteren rechten und linken Teil der Außenhaut. Sie verbinden den Heckausleger mit dem Cockpit. »Die Schalen wurden auch bislang mit kohlenstofffaserverstärkten Leichtbaumaterialien gefertigt, aber wir haben den Herstellungsprozess weiterentwickelt. Er basiert jetzt auf dem sogenannten Automated Fiber Placement Prozess«, sagt Thomas Zenker, Wissenschaftler am Fraunhofer IGCV.

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Foto: Airbus Helicopters GmbH Blick auf die ausgehärteten Seitenschalen, bereit für den Einbau im Racer-Helikopter Prototyp. Die Schalenbauteile der Racer-Außenhaut werden mit einem neuartigen Fertigungsverfahren hochautomatisiert hergestellt.

Gefördert wird die Entwicklung im Rahmen des Clean Sky 2-Programms der Europäischen Union. Bei der Vermittlung und der Kommunikation zwischen Brüssel und den beteiligen Fraunhofer-Instituten unterstützt und koordiniert das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut EMI in Freiburg. Als Paradebeispiel europäischer Koordination und Integration bringt die Demonstrator-Plattform mehr als 25 Konsortien in 13 Ländern aus Industrie und Wissenschaft zusammen, unterstützt durch ein umfangreiches Ökosystem von KMUs – vereint in dem Bestreben der EU, eine umweltfreundlichere Luftfahrt zu verwirklichen.

Automatisierte Fertigung von CFK-Verbundbauteilen

Ein Roboter legt die endlosfaserverstärkten, vorimprägnierten Materialien automatisiert ab. Dabei werden unidirektionale Tapes verwendet, die bessere mechanische Eigenschaften aufweisen und weniger Verschnitt erzeugen als gewebebasierte Kunststoffverbunde. Der Sandwichkern aus Phenolharzwaben trägt zur Steifigkeit des Verbunds bei, die Decklagenfasern sorgen für die Festigkeit. Ein Klebefilm stellt die Krafteinleitung zwischen Kern und Decklagen sicher.

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Foto: Fraunhofer IGCV Automatisierte Fertigung von CFK-Verbundbauteilen: Die Seitenschalen werden per Automated Fiber Placement hergestellt – einem innovativen Composite-Fertigungsverfahren.

»Bevor das Material ausgehärtet wird, legt der Roboter die Fasern in hoher Qualität in ein Werkzeug ab. Der Roboter folgt dabei einer eigens entwickelten Programmiermethodik. Das Werkzeugkonzept wurde speziell für die Prozesskette entwickelt. Seine Oberfläche definiert die Form, die die Fasern bei der automatisierten Ablage annehmen sollen. Dabei werden die komplexen Geometrien der unterschiedlich geformten Sand-wichtaschen berücksichtigt. Die Tapes werden also genau dort platziert, wo die Struktur des späteren Bauteils es erfordert«, fasst der Ingenieur den Vorgang zusammen.

Der Racer birgt großes Nachhaltigkeits-Potenzial

Je nach Schichtung und Fasern erreicht ein per Automated Fiber Placement hergestelltes CFK-Bauteil eine höhere Belastbarkeit als ein Stahlelement, während es deutlich weniger wiegt. »Dies ist ein wichtiger Aspekt in der Luftfahrt, wo jedes eingesparte Kilo-gramm zur Reduktion des Treibstoffverbrauchs beiträgt«, sagt der Forscher. Durch das eingesparte Material reduziert sich das Gewicht der Schalensegmente um 5 %. Je nach verwendetem Energiemix bei der Produktion kann der ökologische Fußabdruck damit um bis zu 15 % pro Schalensegment verbessert werden.

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Automated Fiber Placement für verschnittarme Prozesse

Darüber hinaus bringt das weiterentwickelte Fertigungsverfahren zusätzliche Vorteile mit sich: So sind Zenker und sein Team in der Lage, die Produktionsabfälle durch den effizienteren Prozess von 45 auf 20 % zu senken. Je nachdem, wie viele Helikopter hergestellt werden, ist durch den automatischen Prozess im Vergleich zur konventionellen Fertigung im Handlegeverfahren außerdem eine Produktionskosten-Einsparung möglich. Bei einer Produktionsrate von 65 Helikoptern pro Jahr liegt diese beispielsweise bei 20 %.

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Foto: Airbus Helicopters GmbH Ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts für Gießerei-, Composite und Verarbeitungstechnik IGCV hat die innovative, nachhaltige Methode gemeinsam mit Airbus Helicopters entwickelt.

Im August 2020 wurden die beiden Seitenteile für den Prototyp des Helikopters fertiggestellt. Danach erfolgte bei Airbus die Aushärtung und die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung, bei der die Bauteile mit einem Ultraschallverfahren nach potentiellen Defekten durchleuchtet werden. Neue Kombinationen aus Material und Fertigungsprozess bedürfen einer intensiven Überprüfung, insbesondere in sicherheitskritischen Branchen wie der Luftfahrt. Im Rahmen von Permit-to-flight-Tests wurden zusätzlich Kennwerte von Materialproben ermittelt und bewertet. Diese mechanischen Prüfungen sind Voraussetzung für die Flugfreigabe des Demonstrators.

Jetzt wartet der Highspeed-Helikopter auf seinen Testflug

Die Bauteile vom Fraunhofer IGCV hielten der Prüfung stand und werden momentan zu einem Prototyp zusammengebaut. Anfang 2022 soll der nachhaltige Helikopter fertig gestellt sein und zu seinem ersten Testflug aufbrechen. Durch seine hohe Geschwindigkeit ist er für den Einsatz in Notfällen aller Art prädestiniert. Denkbar ist jedoch auch der Einsatz als Flugtaxi, um Passagiere zwischen urbanen Zentren zu befördern – und dies ganz ohne Stau.

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