Neben der Corona-Krise stand auf der virtuellen Schmalz -Pressekonferenz auch Neues aus der Vakuum-Automation und Handhabungstechnik im Fokus. KUE war virtuell dabei.#
Foto: Schmalz

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Neues in der Vakuum-Automation und Handhabung

Neben der Corona-Krise stand auf der virtuellen Schmalz -Pressekonferenz auch Neues aus der Vakuum-Automation und Handhabungstechnik im Fokus. KUE war virtuell dabei.

Auf der virtuell abgehaltenen Pressekonferenz des Unternehmens zeigte sich eines: Auch trotz der durch das Coronavirus verursachte Lage, blickt das Unternehmen nach vorne und informierte die Zuschauer über Neuigkeiten aus den Geschäftsbereichen der Vakuum-Automation und Handhabungstechnik. Hendrik Bittenbinder, Leiter Marketing Kommunikation, führte durch die Veranstaltung, in die sich interessierte Journalistinnen und Journalisten per Microsoft Teams zuschalten konnten. Angenehm war da, dass man seine Fragen auch direkt an die Vortragenden richten konnte, entweder per Chat oder indem man einfach Bildschirm und Mikrofon zuschaltete, um seine Fragen am Ende der jeweiligen Vorträge einfach direkt zu stellen. Damit gewann die Veranstaltung an Lebendigkeit und wurde trotz des räumlichen Abstandes persönlicher.

Hendrik Bittenbinder, Leiter Marketing Kommunikation, führte durch die Veranstaltung. Die Journalistinnen und Journalisten konnten auch während der Pressekonferenz ihre Fragen stellen.

Schmalz steht auf vielen Beinen: „Das Geschäft, das wir sehr gut verstehen“

Dr. Kurt Schmalz, Geschäftsführender Gesellschafter ging in seinem Statement auf die Form der Presseveranstaltung kurz ein und verwies dabei auch auf die virtuelle Messe, die am Folgetag starten sollte (die Schmalz Expo am 26.5.2020): „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen, daher auch die digitale Form unserer Pressekonferenz“, so Dr. Schmalz, der dann auf die aktuelle Situation seines Unternehmens zu sprechen kam. So berichtete er unter anderem über aktuelle Investitionen und Innovationen, „die ja trotz Corona weitergehen.“ Kurz ging Dr. Schmalz auch auf die Geschäftsfelder seiner Unternehmensgruppe ein:

  • der Vakuum-Automation – „das ist ein Bereich der gut läuft“
  • der Handhabungstechnik – „Schmalz ist Marktführer in der Automatisierung mit Vakuum sowie für ergonomische Handhabungssysteme“
  • und der junge Geschäftsbereich Energiespeicher: „Ein kleines Pflänzchen ist das Geschäftsfeld Energiespeicher. Wir bringen hier eine neue Generation an Stacks heraus für Redox-Flow-Batteriesysteme.“

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie?

Dann widmete sich Dr. Kurt Schmalz der weiteren Internationalisierung seiner Unternehmensgruppe: „Neu hinzugekommen ist Österreich mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft. Bei 190 Millionen Euro lag der Umsatz 2019 und die Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit rund 1.500 Mitarbeitende. Im letzten Jahr verzeichnete Schmalz ein starkes Wachstumm in den USA, Wachstum in Asien und auch in Europa gab es beispielsweise mit Polen sehr positive Entwicklungen zu verzeichnen – vor Corona. Und danach? „Im ersten Quartal 2020 waren wir erstaunlich gut unterwegs. Wir haben unsere Lieferfähigkeit sichergestellt und Maßnahmen zur digitalen Kundenberatung ergriffen. Wir sind finanziell unabhängig und haben eine hohe Eigenkapitalquote. Trotzdem haben auch wir uns um Kreditlinien bemüht. Wir nehmen Kapazität raus rechnen aber damit, dass wir im 2. Halbjahr eine Erholung erreichen werden.

Dr. Kurt Schmalz, Geschäftsführender Gesellschafter, gab einen Einblick in die aktuelle Unternehmenssituation.

Vorbereitet in die Krise

„Schon ganz früh haben wir ein internes Krisenteam gebildet und im Homeoffice ein Reserveteam bereitgestellt, das im Falle von Erkrankungen im „ersten“ Team die Geschäfte hätte weiterführen können. Wir haben umfassende Hygiene- und Verhaltensregeln erstellt und für eine maximale Transparenz für unsere Mitarbeiter gesorgt. Auch die Maskenbeschaffung gelang uns bereits in den ersten Märztagen. Gleich zu Beginn der sich abzeichnenden Corona-Pandemie haben wir weltweit Lager aufgebaut, um unsere Kunden beliefern zu können. Für unsere Kunden stellen wir die Videoberatung zur Verfügung und wir starten mit der virtuellen Messe (Schmalz Expo), denn wir haben viele Neuheiten zu zeigen.“

Grundoptimismus und der Wille, die Zukunft aktiv zu gestalten

Zudem hat Schmalz weiter kräftig investiert: Am Hauptstandort in Glatten im Schwarzwald beispielsweise wurde die Produktion erweitert um die Hallen C14-C18. Auch das Bürogebäude (B3) ist neu hinzugekommen. Und international? „In China bauen wir eine neue Fabrik auf der grünen Wiese, in Polen haben wir einen Neubau installiert und in Italien läuft die Komplettsanierung eines Bestandsgebäudes, die einem Neubau gleichkommt“, so Dr. Kurt Schmalz.

Fokusthemen und Strategie: Robotik und Logistik vorantreiben

„Die Robotik verstehen wir als Wachstumsfeld. Wir konzentrieren uns hier ausschließlich auf den Greifer am Roboter. Wir haben ein großes Domainwissen im Bereich Vakuumhandhabung und können anbindungsfertige Greifsysteme bereitstellen. Dazu haben wir neu ein eigenes Robotik-Team aufgebaut. Ein weiteres Wachstumsfeld ist die Digitalisierung. Hier geht es nicht nur um die Kommunikation, sondern wir wollen unseren Kunden einen Mehrwert bieten: In der Beschaffung, der Konfigurierung und im Betrieb der Produkte. Das ist ein Riesenfeld, von der Plattform, der Auslegung bis zum Shop.“ E-Commerce ist dementsprechend eines der „Digitalthemen“, die Schmalz vorantreibt. Auf meine Frage worauf sich der Optimismus für das zweite Halbjahr gründe, antwortete Dr. Schmalz wie folgt: „Nun, wir rechnen mit einer sehr flachen aufsteigenden Kurve. Wir wollen jedoch die Themen Robotik und Logistik stark vorantreiben und so eine eigene Konjunktur voranbringen.“ Und noch etwas dürfte Dr. Schmalz in seinem Optimismus bestärken: Die Bereiche Intralogistik auch Verteillogistik – hier kommen die Greifer- und Handhabungssysteme zum Einsatz – erfreuen sich einer verstärkten Nachfrage, gerade in Corona-Zeiten. Denn es wird vermehrt Online gekauft und große Weblieferanten wie Amazon bedienen sich auch der Handhabungstechnik aus Glatten. Auch wenn der Automobilsektor derzeit keine Impulse bringt sind Zukunftsthemen, wie Batterietechnik und Brennstoffzelle dennoch wachsende Segmente. Im Segment der Greifer für die Robotik sind die Bin-Picking-Lösungen von Schmalz gerade groß im Kommen: „Wir haben Lösungen mit denen wir Einzelwerkstücke bis 25 Kilogramm Gewicht greifen. Diesen Bereich wollen wir standardisieren. Da haben wir sehr clevere Greifsysteme entwickelt mit Kamerasystemen. Wir werden jedoch beim Oberflächengreifen bleiben, denn das ist das Geschäft, das wir sehr gut verstehen.“

Intelligente Produkte: Automatisierungsplattform und Bin-Picking-Lösungen

Dr. Maik Fiedler, Leiter Geschäftsfeld Vakuum-Automation und Mitglied der Unternehmensleitung, ist seit Januar 2019 an Bord. Zuvor arbeitete er unter anderem bei Continental. Dr. Fiedler kam schnell auf einige Neuheiten zu sprechen, die großes Zukunftspotenzial bergen – so zumindest die begründeten Hoffnungen bei Schmalz. Dazu gehören die Automatisierungsplattform Connect Suite sowie die Einzelteile-Robotergreiferlösungen, die sogenannten Bin-Picking-Lösungen. „Wir legen einen größeren Schwerpunkt auf die Robotik und die Software. Dazu bieten wir im Bereich Robotik auch Pakete statt nur Komponenten, etwa für Bin-Picking und die Kommissionierung. Dabei gilt es eine hohe Teilevarianz in den Kisten zu bewältigen, sicher zu erfassen und zu greifen. Unsere Greiferlösungen zeigen geringe Störkonturen am Roboter. Wir bieten Plug-and-Work-fähige Pakete – Do-it-Yourself-Pakete. Je nach Anforderung wird das Kamerasystem direkt am Roboter montiert, oder die Kamera wird außerhalb des Roboters montiert, um noch kürzere Zykluszeiten zu erreichen“, so Dr. Fiedler. „Unsere Bin-Picking-Greifer können auch Ecken- und Kanten greifen.“ Dann stellte er einige Produktlösungen vor, wie den Greifer SBPG, den Sauggreifer SVE, die Cobot-Pump ECBPM – eine Vakuumpumpe für die direkte Montage an der Cobot-Hand, wie am Beispiel eines UR-Roboters zu sehen war.

„Hier erfolgt eine einfache Zweitastenbedienung, um den Roboter anzulernen. Die Vakuumpumpe ist für Traglasten bis 3 Kilogramm ausgelegt.“ Auch das im letzten Jahr auf der Motek vorgestellte Leichtbaugreifersystem SLG, dessen Geometrie der Kunde am Konfigurator eingeben und hochladen kann. Dazu bestellt der Kunde dann die passenden Sauger und dann wird der Greifer bei Schmalz 3D-gedruck – eine integrierte Luftführung und integrierte Sensorik sind so möglich.

Die Digitalisierung ist das Zukunftsthema auch bei Schmalz

Dann kam Dr. Fiedler auf die Produktneuheiten in der Digitalisierung zu sprechen: „Die sogenannte i-Reihe ist eingeordnet in die übergeordnete Plattform – die Schmalz Connect Suite. Hier laufen alle über einen Edge-Computer vorverarbeiteten Daten aus Sensoren und Informationen der angeschlossenen Geräte zusammen. Alle IO-Link-Geräte werden analysiert, Parameter der IO-Link-Geräte sind auslesbar und Parameter neu einspielbar. Es ist ein selbstadaptierendes System. Die Schmalz Connect Suite besteht aus 5 Modulen: Monitor, Devices, Events (Fehlermeldungen…Grenzwertüberschreitungen) API, um Schmalz Connect Suite an Kundenapplikation zu integrieren und EPC.“ Und noch eine wichtige Neuheit hatte Dr. Fiedler parat: „Wir sind jetzt auch im E-Plan Data Portal für das Kompaktterminal SCTSIi und die Kompaktejektoren SCPM integriert. Das erleichtert Konstrukteuren die Einbindung unserer Systeme schnell und einfach.“ Weitere Neuheiten waren das Baukastensystem für einsetzbare Sauggreifer (Durchmesser, Materialien etc.) für den Universalsauggreifer SUF, der Strömungsgreifer SCG-HSS – der durch bewegliche Kunststoffstifte sich jeglicher Bauteilkontur anpassen kann, etwa zum sicheren Greifen von bestückten Leiterplatten – sowie die Weiterentwicklung des Kompaktterminals SCTSI mit vielen Erweiterungen, wie Impulsventilen, IO-Link-Mastermodulen und Digital-Input-Modulen.

Dr. Maik Fiedler ist Leiter des Geschäftsfelds Vakuum-Automation und Mitglied der Unternehmensleitung. Er sprach unter anderem über Bin-Picking-Lösungen.

Handhabungsprozesse und eine App

Letzter Redner der virtuellen Schmalz-Pressekonferenz war Michael Schlaich, Leiter Geschäftsentwicklungsprozess Handhabung. Er nannte unter anderem Trends und Treiber im Bereich der Logistik, die für Schmalz einen Umsatzanteil von rund 25 % in Europa ausmacht. „Trends und Treiber sind die Digitalisierung, der Fachkräftemangel und der demographische Wandel. Die E-Commerce-Geschichte muss wachsen, um ohne zusätzlichen Aufwand von Bestellungen bis zur Auslieferung alles einfach und effizient durch die Firma zu schleusen. Im Bereich E-Commerce gab es 11,6 Prozent Wachstum von 2018 zu 2019“, so Michael Schlaich und sprach dann die Themen Gesundheitsschutz und Ergonomie an: „Die Leute werden älter und da bedarf es ergonomischer Handhabungslösungen.“

Michael Schlaich, Leiter Geschäftsentwicklungsprozess Handhabung, ging vor allem auf die Bereiche Logistik und Kransysteme des Unternehmens ein. Wichtige Themen hier: Gesundheitsschutz und Ergonomie.

Störgrößen sind laut Michael Schlaich die aktuellen Handelskonflikte, Barrieren, der Brexit und Pandemien, die einen starken Einfluss auf das Marktgeschehen haben. Doch positiv sieht er eine andere Entwicklung: „Etwa zwei Prozent des Marktvolumens investieren Unternehmen in Logistik und Digitalisierung. Die Individualisierung der Produkte und der Logistikprozesse nehmen zu. Das führt zu einer verstärkten Automatisierung (VA) und ergonomischen Unterstützung der Werker (HS). Auch das Social Distancing in der aktuellen Corona-Krise ist ein aktueller Treiber für Schmalz.“

Ergonomische Vakuum-Handhabungssyteme für die Logistik

Schmalz bietet individuelle Vakuum-Handhabungslösungen und Krananlagen und optimiert so innerbetriebliche Logistik in Bezug auf Zeit, Kosten und Ergonomie.
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Zugute kommt Schmalz hier das breite Anwendungswissen, etwa in den acht Hauptbranchen: Automobil/Metall, Verpackung, Logistik, Holz, Elektronik, Kunststoff, Faserverbund und Glas. Zudem stellte Michael Schlaich noch einige Neuheiten aus seinem Geschäftsbereich vor, wie aus dem Bereich Kransysteme den Flachausleger für besonders niedrige Räume oder aus dem Bereich Vakuumheber den Schlauchheber Jumbo-Flex Quick-Release – mit Quick-Release-Auslöser, um Werkstück schnell ablassen zu können und von gewisser Höhe einfach abzuwerfen mittels eines roten Druckschalters. „Beim „Abwerfen“ des Transportgutes schnellt der Greifer nicht plötzlich nach oben, sondern wird fast exakt auf der gleichen Höhe gehalten, wenn der Auslösehebel ausgelöst wird, um das Produkt abzulassen.“ Neu ist auch der Multigreifer für den Jumbo-Flex 50 für das Anheben von Kartongewichten bis 50 kg. Michael Schlaich zeigte dazu auch den Prototypen des 3D-gedruckten Greifers mit grünen Sauggreifern.

Ganz zum Schluss stellte er noch eine digitale Neuheit vor: Die Geräteverwaltung mit der Schmalz Control Room App, die Produkte per Barcode oder NCF identifizieren kann, Gerätelisten für den Kunden erstellen kann, den Status anzeigt oder über den Termin der letzten UVV-Prüfung Auskunft gibt. Über die App kann man Dokumente online abrufen, eine Komponenten-/Verschleißteilliste erhalten sowie den Direktkontakt zu Schmalz.

Alles in allem zeigte die virtuelle Pressekonferenz von Schmalz eines deutlich: Man schaut positiv nach vorn bei Schmalz und entwickelt weiter an Zukunftstechnologien, die den Kunden echten Mehrwert garantieren.