Im November 2016 entstand die erste Wasserstofftankstelle in der Schweiz, die von einem nahen, CO2-neutralen und schadstofffreien Wasserkraftwerk versorgt wird. So soll in der Schweiz die CO2-Reduzierung im Verkehr vorangetrieben werden.
Foto: Coop Genossenschaft

E-Mobilität

So soll die CO2-Reduktion im Verkehr gelingen

Schweizer Unternehmen bauen eine rentable Tankstellen-Infrastruktur auf Basis von grünem Wasserstoff auf, um CO2-Reduktion im Verkehr zu ermöglichen.

E-Mobility gilt vielerorts als die Lösung zur CO2-Reduzierung im Verkehr. Doch die geringe Reichweite und mehrstündigen Ladezeiten stellen ein Problem für privatwirtschaftliche Unternehmen dar. Eine sinnvolle Alternative besteht in der Nutzung von Wasserstoff (H2) als Treibstoff bei Fahrzeugen mit Brennstoffzellen. Damit erreichen Kraftfahrzeuge ähnliche Reichweiten wie mittels herkömmlichem Treibstoff und lassen sich innerhalb weniger Minuten betanken. Doch um Wasserstoff effizient nutzen zu können, ist ein flächendeckendes Tankstellennetzwerk notwendig. Dass das keine unlösbare Aufgabe ist, zeigt die Schweiz. Dort hat sich ein Förderverein, bestehend aus mehreren Unternehmen – darunter der Handelskonzern Coop –, zum Ziel gesetzt, die Wasserstofftankstellen-Infrastruktur sukzessive auszubauen. Parallel haben die teilnehmenden Betriebe bereits angefangen, ihre Fuhrparks auf H2-betriebene Fahrzeuge umzustellen, damit von Anfang an die Rentabilität der Tankstellen sichergestellt werden kann. Produziert wird der CO2-neutrale Wasserstoff in einem Wasserkraftwerk. Das Ingenieurbüro Haas Engineering aus dem baden-württembergischen Gundelfingen war von Anfang an in dieses Vorhaben involviert und erbrachte alle zur Wasserstoff-Produktion notwendigen Ingenieurdienstleistungen.

Warum Wasserstoff in der Mobilität noch Probleme hat

„Viele Betriebe haben erkannt, dass Wasserstoff großes Potential für eine klimafreundliche Produktion bietet“, erklärt Friedrich Haas, Geschäftsführer der Haas Engineering GmbH & Co. KG. „So wird der Energieträger etwa in der Stahl- und Metallindustrie, bei der Glasherstellung oder bei der Siliziumproduktion genutzt.“ Während der Einsatz in der Industrie bereits zum Alltag gehört, wird er im Bereich der Mobilität noch skeptisch betrachtet. Ein Grund dafür ist unter anderem das lückenhafte Tankstellennetz, aufgrund dessen bisher noch keine flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff gewährleistet ist. Ein weiteres, finanzielles Hindernis stellt die sogenannte EEG-Umlage dar, die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bei der Herstellung von H2 anfällt. Im Gegensatz dazu wird die batteriebetriebene Elektromobilität durch Kaufprämien subventioniert.

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Im November 2016 entstand die erste Wasserstofftankstelle in der Schweiz, die von einem nahen, CO2-neutralen und schadstofffreien Wasserkraftwerk versorgt wird. Der Förderverein hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2023 ein flächendeckendes Wasserstofftankstellennetz in der Schweiz aufzubauen. Aktuell betreiben die17 Mitgliedsunternehmen insgesamt 2.000 konventionelle Tankstellen und einen Fuhrpark mit circa 4.000 schweren Nutzfahrzeugen.

So entstand die erste Wasserstofftankstelle in der Schweiz

Auch in der Schweiz spielte die Nutzung von Wasserstoff in der Mobilität nur eine unbedeutende Rolle, bis die Coop Genossenschaft, ein dort ansässiger, europaweit tätiger Handelskonzern, im Jahr 2008 beschloss, bis spätestens 2023 CO2-neutral zu werden. Das Unternehmen integrierte zunächst sechs Lastkraftwagen mit Batterieantrieb in die betriebseigene Flotte. „Die Anforderungen an unsere Fahrzeuge waren sehr hoch: Sie mussten in der Lage sein, einen Diesel-LKW mit Anhängerbetrieb der 34-Tonnen-Klasse und identischem Leistungsvermögen zu ersetzen, sprich: in erster Linie eine ähnliche Reichweite generieren“, erklärt Jörg Ackermann, der bei Coop für den energietechnischen Wandel mit verantwortlich ist. „Dies konnten gewöhnliche Elektrofahrzeuge bisher nicht leisten.“ Bei der Suche nach einer Alternative stieß Ackermann 2013 auf die Wasserstofftechnologie, die in der Schweiz bis dato kaum praxiserprobt war. Um gemeinsam den Aufbau eines flächendeckenden Wasserstoffnetzes voranzutreiben sowie in Kooperation mit den zuständigen Behörden die notwendigen regulatorischen Grundlagen zu erarbeiten, führte Coop verschiedene Partner und Forschungsanstalten zusammen. Aus diesen Bemühungen heraus entstand im November 2016 die erste Wasserstofftankstelle in der Schweiz, die von einem nahen, CO2-neutralen und schadstofffreien Wasserkraftwerk versorgt wird.

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Die Schweiz steigt auf Wasserstoff um: Bis 2023 will der der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai circa 1.000 wasserstoffbetriebene Lastkraftwagen der 34-Tonnen-Klasse an die Mitgliedsunternehmen in der Schweiz liefern.

Förderverein H2 Mobilität setzt sich für die CO2-Reduktion im Verkehr ein

2018 folgte die Gründung des Fördervereins H2 Mobilität Schweiz mit heute 17 Mitgliedsunternehmen, dem Ackermann als Präsident vorsteht. Zu den am Projekt beteiligten Unternehmen zählt auch Haas Engineering, das bereits vor 20 Jahren erste Pläne für H2-betriebene Industrie- und Mobilitätsanlagen erfolgreich umsetzte. „Wir unterstützen Coop und Unternehmen im Umfeld des neu gegründeten Fördervereins seit 2015 durch umfangreiche Ingenieursdienstleistungen“, erklärt Haas. „Dazu zählt zum Beispiel die Planung von Wasserstoffproduktionsanlagen. Die Herausforderung liegt hier vor allem darin, die Projektziele bereits zu Beginn klar zu definieren, um spätere Änderungen möglichst gering halten zu können.“ Das Schweizer Projekt nimmt auch für die erfahrenen Ingenieure von Haas Engineering eine Sonderrolle ein, da eine ungewohnte Ausgangslage vorliegt. Dies betrifft insbesondere die gesetzlichen Richtlinien und Genehmigungsverfahren für die Elektrolyseanlagen und Tankstellen.

Der neu gegründete Förderverein beschließt den Aufbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes

Mit der Inbetriebnahme einer einzigen Tankstelle gab sich der Schweizer Förderverein jedoch nicht zufrieden: „Die Umrüstung des Fuhrparks auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge lohnt sich nur, wenn die Infrastruktur flächendeckend vorhanden ist“, erläutert Ackermann. „Damit sich ein solches Tankstellennetz jedoch rentiert und ausgelastet ist, müssen wiederum genügend Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein, die mit Wasserstoff betrieben werden.“ Der Förderverein hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2023 ein flächendeckendes Wasserstofftankstellennetz in der Schweiz aufzubauen. Die aktuell 17 Mitgliedsunternehmen betreiben bis jetzt zusammen insgesamt 2.000 konventionelle Tankstellen und einen Fuhrpark mit circa 4.000 schweren Nutzfahrzeugen. Dadurch ist der Verein in der Lage, die notwendige Infrastruktur mit einem vergleichsweise moderaten Aufwand selbst zu etablieren und diese durch einen eigenen Fuhrpark auch wirtschaftlich zu nutzen. Auf diese Weise entsteht wiederum ein Anreiz für andere Unternehmen und Privatpersonen, ebenfalls auf mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge umzusteigen.

Hyundai liefert wasserstoffbetriebene Lastkraftwagen

Eine Hürde, die der Förderverein zu meistern hatte, war ein Mangel an Lastkraftwagen, die den Leistungsanforderungen der Unternehmen entsprachen. Dafür arbeitete der Verein eng mit der H2 Energy AG zusammen, welche wiederum eine Kooperation mit Hyundai Motor einging. Im Rahmen dieser Kooperation wird der südkoreanische Automobilhersteller bis 2023 circa 1.000 wasserstoffbetriebene Lastkraftwagen der 34-Tonnen-Klasse an die Mitgliedsunternehmen in der Schweiz liefern. Durch diese Vorgehensweise schließt sich ein CO2-neutraler, für alle beteiligten Unternehmen wirtschaftlicher Wasserstoffkreislauf von der Herstellung des Energieträgers am Wasserkraftwerk über den Transport zur Tankstelle mittels brennstoffzellenbetriebener Fahrzeuge bis zur schadstofffreien Nutzung im betriebseigenen Fuhrpark.

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Die geringe Reichweite und mehrstündigen Ladezeiten der E-Mobilität stellen ein Problem für privatwirtschaftliche Unternehmen dar. Eine sinnvolle Alternative besteht in der Nutzung von Wasserstoff (H2) als Treibstoff bei Fahrzeugen mit Brennstoffzellen.

Auch ein Modell für Deutschland?

Während Unternehmen in der Schweiz bereits einen wichtigen Schritt in Richtung CO2-Neutralität im Verkehr gemacht haben, steht Deutschland erst am Anfang der Entwicklung. „Deutschland und die Schweiz unterscheiden sich vor allem in steuerlicher und wirtschaftlicher Hinsicht“, berichtet Haas von seinen Erfahrungen. „Die CO2-freie Mobilität wird in der Schweiz vorteilhafter behandelt als hierzulande. Außerdem sind die Genehmigungsverfahren für die notwendigen Anlagen kürzer, was die Umsetzung der Projekte vereinfacht.“ In den vergangenen Monaten ist jedoch ein zunehmendes Interesse der Öffentlichkeit an der Brennstoffzellenthematik und der CO2-Freiheit zu bemerken. So wurden erst kürzlich beim vom Bundeswirtschaftsministerium ausgelobten Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ zahlreiche Projekte ausgezeichnet, die sich im industriellen Maßstab mit Wasserstofftechnologien befassen. „Wenn diese Stimmung anhält und langfristig die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden, stehen die Chancen für ein Projekt wie in der Schweiz durchaus gut. Dies setzt aber voraus, dass sich einerseits Investoren finden, um die notwendigen Technologien voranzutreiben, und andererseits Unternehmen bereit stehen, die gewillt sind, solche Projekte zu unterstützen und mitzutragen“, so Haas.

Ackermann ist mit dem bisherigen Projektverlauf in der Schweiz sehr zufrieden: „Aus meiner Sicht hat das System dann dauerhaft Erfolg, wenn ausschließlich grüner Wasserstoff eingesetzt, ein privatwirtschaftlicher Ansatz verfolgt und die Wirtschaftlichkeit für alle Beteiligten sichergestellt wird.“

Unternehmen

Flixbus setzt auf Brennstoffzellen für den Busfernverkehr

Mit dem Zukunftsprojekt für nachhaltige und CO2-freie Mobilität wollen Flixbus und Freudenberg Reisebusse mit Brennstoffzellenantrieb umsetzen.

E-Autos

Precision Micro: Bipolare Platten für Brennstoffzellen

Die Nachfrage nach leistungsstarken, billigen Brennstoffzellen wächst. Mit fotochemischem Ätzen von Precision Micro können Hersteller die Ansprüche bedienen.

Elektrotechnik

Finder: Infrastruktur für die E-Mobility

Dem Elektroantrieb gehört in vielen Bereichen der Mobilität die Zukunft. Aktuell wird in die Ladeinfrastruktur investieren. Der Wirkstromzähler kommt von Finder.

Antriebe

Infrastruktur für die Elektromobilität

Dem Elektroantrieb gehört in vielen Bereichen der Mobilität die Zukunft – darüber sind sich die meisten Experten einig. Doch noch sind viele Hürden zu nehmen. Aktuell wollen einige große Automobilhersteller etwa in die Ladeinfrastruktur investieren. Viele der für Ladesäulen notwendigen Komponenten – darunter die für die Abrechnung geeigneten Wirkstromzähler – kommen von Finder.