xDesign Design Challenge
Foto: Erik Schäfer

Software

Solidworks Desktop- plus Online-Systeme

Uwe Burk erläutert die Pluspunkte der Solidworks-Online-Produkte für Konstrukteure: xDesign und Product Designer.

Am 3. Tag der Solidworks World 2018 stellte sich Senior Sales Director Uwe Burk den Fragen der aus Deutschland angereisten Journalisten. Hier die wichtigsten Punkte, die Uwe Burk als echte Pluspunkte für die Anwender von Solidworks von Dassault Systèmes ausgemacht hat. Grundlage für das Gespräch waren die General Sessions, die jeweils morgens von 8:30 Uhr bis 10:00 Uhr stattfanden und auf denen den Anwesenden – laut Solidworks rund 5.000 User und Gäste – die neusten Features der Solidworks-Softwares vorgestellt wurden. In Teil I berichtete K&E-Chefredakteur Erik Schäfer vom neuen „3DExperience Marketplace“. Hier in Teil 2 geht es um die Online-Produkte für Konstrukteure: xDesign und Product Designer, welche eine Verbindung von Desktop- und Online-Welt darstellen.

Neben den Desktop-Neuerungen, stellten Sie erstmalig auch Online-Produkte, wie den Browser basierten Solidworks xDesign vor….

Uwe Burk: Unsere neuen Angebote auf der 3DExperience Plattform werden den 3D-CAD-Markt weiter demokratisieren. Für Anwender, die Ad hoc mit einem 3D-System arbeiten wollen und damit über einen einfachen Einstieg schnell produktiv werden wollen ohne in Infrastruktur investieren zu müssen oder wollen, ist das xDesign-Announcement enorm interessant - mit der Ankündigung von xDesign stellt Solidworks neben seinem Desktop-CAD-System erstmalig eine Cloudlösung zur Seite, welche hardwareunabhängig rein browserbasierend arbeitet. Ebenso wichtig schätze ich aber auch die heute bekannt gegebene Zusammenarbeit mit Ceeboo im IoT Sektor ein. Diese Art der Zusammenarbeit ist meines Erachtens gerade für die Entwicklung von sog. „Smart Products“ unerlässlich. Und diese Produkte leiten möglicherweise eine Revolution in der Produktentwicklung ein – ich sage bewusst “möglicherweise“, da die durch Smart Products hervorgerufenen Veränderungen, der Produktentstehungsprozesse, stark von den Wünschen beziehungsweise der Akzeptanz der Endkunden (Consumer) abhängen und die mögliche Dynamik der Veränderung heute noch schwer abschätzbar ist. In vielen Fällen könnte die mögliche Entwicklung ein weg von der Massenproduktion bedeuten – mit allen sich daraus für heutige oder bereits in Planung befindlichen Produktentstehungsverfahren ergebenden Konsequenzen. Alle heute vorgestellten Neuerungen sind auf ihrem Gebiet für unsere Kunden relevant und ich möchte sie daher in ihrer Bedeutung nicht untereinander bewerten. Wir haben hochinteressante neue Lösungen auf unterschiedlichen Gebieten vorgestellt (u.a. neue Desktop-, Online- und IoT-Lösungen) und jeder unserer vielen Anwender wird seine persönliche Strategie damit umsetzen können.

Die Online-Strategie, also CAD-Konstruieren Browser-basiert zu ermöglichen, ist ja relativ spät gekommen...

Entsprechende Initiativen haben wir seit geraumer Zeit gestartet. Dennoch standen für uns nicht die schnellen Releases im Vordergrund, sondern eine intensive, von Kunden geführte Phase von „Lighthouse“-Tests. So werden wir jetzt weit fortgeschrittene Lösungen vorstellen, welche sowohl rein browserbasierend für Einsteiger – wie xDesign – aber auch für „Um- beziehungweise Aufsteiger“ auf die 3DExperience Plattform Apps einen entsprechenden Reifegrad aufweisen Die umfangreichen Tests haben wir mit ausgesuchten Kundengruppen durchgeführt, um die Einfachheit in der Anwendung, den unkomplizierten Zugang und die Integration in das bestehende Portfolio sicherzustellen. Auch mussten wir den verschiedenen Sicherheitsstandards, welche Unternehmen aus unterschiedlichen Zielgruppen erwarten, Rechnung tragen. Und diese so unterstützen, dass die Nutzung sowohl der 3DExperience Plattform als auch der rein browserbasierten Lösungen ohne Umstände ad hoc in den unterschiedlichen Kundeninfrastrukturen nutzbar sind. Nur wenn eine Lösung für den Kunden praktisch sofort einsetzbar ist, wird er den erwarteten kurzfristig realisierbaren Nutzen haben.

Und die Desktop-Lösungen?

Viele Kunden, welche bereits in tief integrierten Entwicklungsumgebungen arbeiten und Solidworks-Desktop intensiv mit allen Möglichkeiten nutzen, haben heute sicher bei den vielen neuen und starken Features applaudiert. Für diese Anwender ist die Power‘by-Lösung – die Integration der Solidworks Desktop Produkte in die 3DExperince Plattform von großem Mehrwert. Hierbei handelt es sich nicht um eine einfache Datenkonvertierungs-Schnittstelle. sondern um eine tiefe Integration der Desktop-Lösung in die 3DExperience Plattform. Wir haben heute auch gesehen, welche Möglichkeiten durch diese Integration entstehen. Kunden mit in Wartung befindlichen Arbeitsplätzen erhalten für diese den kostenfreien Zugang zu den „Social Collaboration Services“ der 3DExperience Plattform und können bei der Nutzung der neuen Funktionen für die 3D-Online Zusammenarbeit erste Erfahrungen mit Solidworks-Desktop in Verbindung mit der 3DExperience Plattform sammeln. Schon die Vorschau auf Kataloge, Teile und Baugruppen wird dank der Rechenpower fotorealistisch und die Produktidee damit bereits in der frühen Produktentstehungsphase zum Erlebnis. Die Qualität der virtuellen Produkte, welche auf dieser Basis mit den Kunden abgestimmt werden können, ist enorm und verbessert damit die Zusammenarbeit aller Beteiligten bis hin zur Einbeziehung des Endkunden. Für die Bestandsanwender, welche mehr aus ihrer Desktop-Lösung machen wollen und Skalierungsmöglichkeiten suchen, ist das natürlich die wichtigste Weiterentwicklung.

Die genannte Kundenzahl beim xDesign erschien sehr niedrig, „es war von nur 200 Kunden die Rede und Ende des Jahres sollen es 1.000 sein“?

Uns ist es sehr wichtig, dass wir bei der Markteinführung intensiv auf die Wünsche unserer Kunden eingehen können. Bei den Desktop-Produkten haben wir einen etablierten Prozess, bei welchem jeder Wartungskunde beispielsweise an den Betatests teilnehmen kann. Entsprechende Prozesse wollen wir auch bei xDesign aufbauen und auf diesem Wege sicherstellen, dass neben den funktionalen Parametern auch das optimale Verhalten in der Cloud-Infrastruktur sichergestellt wird. Wir haben stark in die neue Cloud-Infrastruktur investiert, da wir mit wesentlich höherer Skalierung in wesentlich kürzerer Zeit als bei den Desktop-Produkten rechnen müssen. Bei der Einführung von xDesign wollen wir in der frühen Phase Erfahrungen sammeln, um später mehr als 3 Millionen oder gar 30 Millionen Anwendern pro Jahr eine entsprechend performante und sichere Infrastruktur zur Verfügung stellen zu können. Solch große Nutzerzahlen könnten leicht entstehen, wenn künftige Entwicklungsprozesse auch die Endkunden mit einbeziehen würden.

Wenn man eine Baugruppe bearbeitet, werden da die Daten mit xDesign komplett runtergeladen?

Idealerweise liegen die Daten in der Cloud, denn da läuft die Applikation. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es viel Sinn macht, die Datenkommunikation über den lokalen Client in die Cloud hinein durchführen zu müssen, um Daten verändern zu können. Daher werden die Daten wohl in der Regel in der Cloud abgelegt sein.

Da wird aber doch sicher ein Teil im Arbeitsspeicher des Client bleiben?

Nein, eigentlich gar nicht. Auf der Client-Seite wird nichts mehr in den Arbeitsspeicher geladen werden, da xDesign eine reine Streaming-Lösung darstellt, welche in jedem browserfähigem Client nutzbar ist. Es gibt hier nahezu keine Ansprüche mehr bezüglich der verwendeten Hardware, hinsichtlich bestimmter CPUs oder bestimmter Grafikkarten. Es wird natürlich eine gewisse Streaming-Leistung vorausgesetzt, aber die entspricht im Wesentlichen dem, was man heute für hochauflösende Videos benötigt. Es werden zahlreiche Optimierungsverfahren für flüssigen Bildaufbau – ähnlich wie bei der Videowiedergabe - genutzt. Auch dieses Verhalten werden wir mit unseren Testkunden optimieren und den praktischen Anforderungen anpassen, damit komplexe 3D-Objekte ansprechend und „flüssig“ bearbeitet werden können.

Es gibt die Plattformen Desktop, xDesign und den Product Designer. Wo ist der Product Designer angesiedelt?

Der Product Designer ist ein hybrider Ansatz. Der verfügt über einen sogenannten Thick Client, das heißt, es werden auch die lokalen Ressourcen auf dem Rechner genutzt, auf welchem Product Designer installiert ist – zum Beispiel die lokale Grafikkarte und für viele Berechnungen der/die lokale/n Prozessor/en Auch werden Daten mindestens temporär im Arbeitsspeicher gehalten. Zur eigentlichen Datenverwaltung wird aber die Datenbank der 3DExperience Plattform, entweder auf firmeneigener „on premise“ Infrastruktur oder in der Cloud, genutzt. Dieser Ansatz macht dann Sinn, wenn lokal an vielen Arbeitsplätzen sehr rechenintensive Arbeitsvorgänge durchgeführt werden müssen und die Arbeitsplatzrechner über hohe Grafik- und Prozessorleistung verfügen.

Für welche Anwender ist der Product Designer gedacht?

Der Product Designer ist für professionelle Anwender zum Beispiel in der Zuliefererindustrie gedacht. Stellen wir uns einen Automobilzulieferer vor, welcher Komponenten und Systeme an Automobilhersteller liefert: Er könnte künftig mit Solidworks Product Designer direkt in der Produktstruktur – zugriffsgesteuert und versionsverwaltet – des Automobilherstellers arbeiten, ohne dass Datenkonvertierungen notwendig wären. Das Konzept lässt sich natürlich in anderen Industrien genauso einsetzen. Überdies hat der Nutzer des Product Designers die Möglichkeit, Apps und Lösungen des gesamten 3DExperience Portfolios zu nutzen – also beispielsweise aus den Simulia-, Delmia-, Enovia- etc. Portfolios. Damit wird beispielsweise der problemlose Übergang von Konstruktion und Entwicklung in die Delmia Fertigungslösungen möglich. Delmia bietet neben vielen Fertigungsmanagementlösungen von Methoden für die additive Fertigung bis hin zu hochkomplexer Mehrachsenbearbeitung alles, was man sich auf der Fertigungsseite wünschen kann. Mit dem Product Designer erhalten Kunden eine assoziative Integration in die 3DExperience Lösungen. Damit wird die Integration von Zuliefererketten von Automotive- oder Flugzeug-OEMs Realität, unabhängig davon, ob zum Beispiel im jeweiligen Prozessschritt Solidworks Product Designer oder Catia eingesetzt wird.

Herr Burk, sind xDesign und Product Designer kompatibel?

Ja. xDesign und Product Designer sind vollständig Datenkompatibel. Anwender, die nur gelegentlich mit CAD arbeiten und daher zum Beispiel xDesign auf dem iPad nutzen, sind dann in der Lage, die Daten ab einem bestimmten Reifegrad an professionelle Entwickler zu übergeben, um von diesen eine Fertigungskonstruktion durchführen zu lassen. Durch die Datenkompatibilität und die Collaboration Services kann dann nahtlos auf dem Product Designer weitergearbeitet werden – ohne, dass die Möglichkeit der Interaktion auf den gleichen Daten verloren gehen würde. Diese Art der Zusammenarbeit macht Sinn, da der Product Designer auch alle Funktionen des heutigen Solidworks-Desktop Portfolios enthält. Kunden können über die Solidworks Desktop Integration in die 3DExperience Plattform ihre Bestandsdaten ebenfalls für Product Designer nutzbar machen und damit die neuen Technologien – auch parallel zu den Desktop Lösungen - nutzen.

Welche Datenformate sind das denn?

In der Plattform nutzen wir CGM. Kunden, welche die Daten von Solidworks-Desktop in die Plattform laden, werden viele Vorteile erkennen. Beispielsweise werden neben den Vorteilen bei der Zusammenarbeit im eigenen Team, mit Partnern, Kunden und Lieferanten, die in der Plattform abgelegten Solidworks-Daten dort automatisch gemeinsam mit verbundenen fotorealistischen 3D-Objekten abgelegt. Sie werden so für alle anderen Applikationen auf der Plattform nutzbar. Damit bestehen keine Migrationsbarrieren, welche in der Vergangenheit die Nutzung neuer Technologie häufig verzögert oder gar verhindert hat. Anwender können mit den heute vorgestellten Lösungen künftige technologische Erweiterungen nutzen, ohne mit der Aufbereitung der bestehenden Daten – auch der von anderen Herstellern – belastet zu werden. Die Integration aller Disziplinen des Produktentstehungsprozesses auf einer sicheren, skalierbaren und einheitlichen Datenplattform stellt hierbei den größten Mehrwert in der Zusammenarbeit, sowohl in Zuliefererketten, als auch innerhalb von Unternehmen dar.

Erik Schäfer

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