Die Beiratsmitglieder besichtigen die Demofabrik zur Digitalisierung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum "Mit uns digital!". Sie demonstriert Digitalisierungslösungen.
Foto: Tim Schaarschmidt

Projekte

Warum Ethik und Technikwissenschaften zusammen gehören

Nicht alles, was technisch machbar ist, ist sinnvoll: die Leibniz Universität Hannover erforscht „Ethik in Technikwissenschaften“ – mit Hilfe einer Stiftung.

Das Thema Ethik gewinnt in den Technikwissenschaften an Bedeutung. Grund ist die Entwicklung der Digitalisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover gibt es jetzt zwei Promotionsstipendiaten, die zum Thema „Ethik in Technikwissenschaften“ forschen. Dafür fördert die Kurt-Alten-Stiftung beide Stellen mit insgesamt rund 210.000 Euro.

Ethisches Handeln im Unternehmen

Anlässlich der ersten Beiratssitzung zu den Stipendien lud die Leibniz Universität am 22. März zu einem Pressegespräch mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Industrie in die Demofabrik des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums auf dem Messegelände Hannover ein. Themen des Gesprächs waren die Bedeutung der Ethik in den Technikwissenschaften und wie ethisches Handeln im Unternehmen im Zuge der Digitalisierung funktionieren kann.

„Die Leibniz Universität Hannover will mit diesen Stellen belastbare Grundlagen schaffen für die weitere Integration des Themas Ethik in die Lehre technischer Fächer. Die Forschung der Stipendiaten ergänzt vortrefflich die Arbeit der Zentralen Ethik-Kommission der Universität, die die ethische Zulässigkeit von Forschungsvorhaben am Menschen und mit Daten vom Menschen, die an der Universität oder der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover durchgeführt werden sollen, prüft und beurteilt“, sagt Prof. Dr.-Ing. Stephan Kabelac, Studiendekan der Fakultät Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover.

Ethik als Hilfe für die Technikwissenschaften

„Unser Engagement in diesem Bereich entspricht in hervorragender Weise unserem Stiftungszweck“, sagt der Vorsitzende der Kurt-Alten-Stiftung Prof. Dr. Ulrich von Jeinsen. „Die Stiftung fördert junge Menschen, die das Potenzial haben, zur künftigen Elite, unter anderem in Wirtschaft und Politik, zu gehören. Um ihnen das richtige Rüstzeug mitzugeben, sind die Berücksichtigung und Beantwortung ethischer Fragestellungen von zentraler Bedeutung.“

Prof. Dr. Steffi Robak, Leiterin des Instituts für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover und Betreuerin der beiden Stipendiaten, sieht im Bereich der Weiterbildung dringenden Handlungsbedarf. „Die Weiterbildung muss auf die gestiegenen Anforderungen vorbereiten. Unternehmen und Bildungsorganisationen brauchen die Unterstützung im Umgang mit der Digitalisierung und dem Leben und Arbeiten in technologischen Umwelten. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Ethik entstehen andere Sichtweisen und Einstellungen, die insbesondere für Führungskräfte und angehende Führungskräfte bei der Umsetzung neuer Technologien im Betrieb hilfreich sind“, erklärt Robak.

Wie Unternehmen ihre Beschäftigten erfolgreich in die Einführung neuer technischer Systeme auch mit Blick auf ethische Fragestellungen einbinden können, erläutert Dr.-Ing. Axel Schmidt, Director Engineering der Sennheiser GmbH: „Wir haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an an den Entwicklungsprozessen digitaler Technologien für unsere Fertigung beteiligt. Sie haben diese Technologien aktiv mitgestaltet. Und: Wir haben in Abstimmung mit ihnen den Einsatz im Unternehmen festgelegt. Der Erfolg unserer Maßnahmen hat unsere Vorgehensweise bestätigt.“

Urteilskraft ist Übungssache

Für das Pressegespräch hat die Leibniz Universität Hannover Prof. Dr. Walther Christoph Zimmerli, Professor für Philosophie, unter anderem Gründungspräsident der Volkswagen Auto Uni und Mitglied Acatech (Konvent für Technikwissenschaften) gewinnen können. Im Rahmen von Pluralismus und Digitalisierung, so Zimmerli, sei die Ethik erforderlich, wenn moralische Selbstverständlichkeiten nicht mehr ausreichen. Die Umsetzung ethischer Grundsätze müsse geübt werden. „Modelle der allgemeinen Ethik ebenso wie die der professionellen Ingenieurethik, kann man in der Aus- und Weiterbildung lernen, die zu ihrer Umsetzung, zum Beispiel in den Unternehmen, erforderliche Urteilskraft muss aber geübt werden.“

Erste Ergebnisse bezüglich ethischer Prämissen für Entscheidungsprozesse und ihrer Verortung in den Technikwissenschaften erwartet Betreuerin Robak Endes dieses Jahres.

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