Uwe Burk auf der Solidworks World in Dallas beim Pressegespräch mit den deutschsprachigen Fachjournalistinnen und Fachjournalisten. Er erklärte unter anderem, was unter dem Begriff Mainstream-Enterprise-Market zu verstehen ist.
Foto: Erik Schäfer

Interviews

Was bedeutet Mainstream Enterprise Market?

Auf der Solidworks World 2019 im Februar erklärte der neue Dassault Systèmes Vice President Uwe Burk, was er mit Mainstream Enterprise Market meint.

Gleich am ersten Tag der Solidworks World 2019, die vom 11. bis 13. Februar im Kay Bailey Hutchison Convention Center (benannt nach der texanischen Politikerin der Republikanischen Partei) in Dallas (Texas/USA) stattfand, stellte sich der „frisch gebackene“ Dassault Systèmes Vice President Professional Solutions, Sales Europe Central Uwe Burk den Fragen der aus Deutschland angereisten Journalistinnen und Journalisten.

MES und ERP Fokusthemen der Fragerunde

Keine Frage, diesmal dominierte die Themen MES (Manufacturing Execution System, sozusagen ein Produktionsleitsystem) und ERP (Enterprise Resource Planning, eine Software zur Planung und Organisation von wirtschaftlichen Ressourcen innerhalb eines Unternehmens) die Solidworks World und genauso die Fragerunde mit Uwe Burk. Denn mit der Übernahme des US-amerikanischen Softwareunternehmens IQMS – das ERP-Software (Delmiaworks) erstellt und vertreibt, hat Dassault Systèmes sein Software-Portfolio weiter abgerundet. Von CAD- über CAM- bis PLM- MES- und nun auch ERP-Software reicht das Portfolio nun. Klar, dass die komplette Übernahme von IQMS Fragen aufwirft, etwa nach Marktchancen in Europa, wo der Markt mit ERP-Software eigentlich schon verteilt scheint. Dazu Uwe Burk: „Die USA hat 98 Prozent der Kunden von vormals IQMS und heute Delmiaworks. Allerdings haben wir weltweit ein Potenzial von 250.000 Kunden, für die das Produkt interessant sein könnte. In den USA ist der Anteil von Kunden von Delmiaworks/IQMS, die Solidworks haben, bei 60 Prozent, das heißt, wenn man das auf andere Regionen überträgt, dann haben wir doch ein signifikantes Potenzial. Nun muss man sehen, dass wir ja in Zentraleuropa nicht unbedingt unterentwickelt sind (schmunzelt). Das heißt, viele unserer Kunden haben schon eine oder mehrere Lösungen. Es gibt aber daneben viele Unternehmen, welche sich selber aus der Not heraus MES-nahe ERP- Lösungen aus verschiedensten Komponenten für sich selbst „gebaut“ haben. Unsere Vertriebspartner haben ebenfalls gefragt, ob wir nicht ein entsprechendes, standardisiertes Produkt in diesem Markt anbieten könnten. Ich glaube, daher, dass die Chancen für eine sehr schnelle Verbreitung dieser Lösung gut sind. Auch die Vertriebspartner, welche momentan im ERP-Geschäft tätig sind, zeigen sehr großes Interesse daran, Delmiaworks mit in ihr Portfolio aufzunehmen. Klassischer Weise ist die bisher in deren Portfolio befindliche ERP-Technologie mehr auf kaufmännische Prozesse für kleine und mittelständische Unternehmen ausgerichtet.“

Der Einwand eines Journalisten, dass es dazu die Fertigung zu verstehen gälte, konterte Uwe Burk: „Stimmt, aber da haben wir ja schon in der Vergangenheit Schritte unternommen und eine CAM-Lösung in unser Portfolio mit aufgenommen und da ist natürlich die nächste Frage MES – also, ein Manufacturing Execution System. Und das ist ja eigentlich der Ausgangspunkt von IQMS. Wenn man dort ansetzt, ist man auch ganz schnell im Fertigungs- und Lieferbereich und damit in ERP-Themen.“

Wieso die Grenze zwischen MES und ERP ist nicht ganz klar ist

Dass die Grenzen zwischen MES und ERP laut Uwe Burk schwimmend sind, erklärte er genauer: „Wenn ich feststelle, dass ich eine bestimmte Losgröße aufgrund welcher Einflüsse auch immer, nicht vollständig produzieren kann, muss ich ja irgendwie eine Verbindung in die Software haben, welche z.B. die den Auftrag und damit auch Lieferung verwaltet. Damit wären wir dann im ERP angekommen. Es durchaus die Intension von Delmiaworks, die Abgrenzung zwischen ERP und MES zu überbrücken – wir wollen diese Grenze überwinden – und viele unserer Kunden auch. Wir wollen den Herstellungsprozess und den Produktentstehungsprozess von der Kundenanforderung, also, von der Definition und der Endkunden-Erfahrung, bis hin zur Lieferung des entsprechenden Produktes auf einer Plattform durchgängig verbinden. Dazu ist natürlich entscheidend, dass wir auch entsprechendes Domain-Know-how aufbauen.“

Dass es um mehr als primär die Fertigungsorganisation geht, das machte Uwe Burk am Produktportfolio von IQMS fest: „Wenn wir uns das Portfolio von IQMS/Delmiaworks anschauen, dann sehen wir, dass es nicht nur um die reinen Fertigungsprozesse geht, sondern viele Prozesse angegliedert sind, welche ERP Funktionalitäten abbilden – wie z.B. die Bereiche Wartung, Logistik, Lieferketten und Beschaffung. Daher lässt sich Delmiaworks nicht in die reine MES-Schublade stecken.“ Burk machte klar, dass es um eine Kombination von MES und ERP gehe: „Für die Kunden, so wie es uns die Kollegen von IQMS mitgeteilt haben, liegt der Fokus weder nur auf der MES- noch ausschließlich auf ERP-Seite, sondern auf der Kombination. Das war ein wesentlicher Grund für uns die Firma IQMS auszuwählen und nun komplett zu übernehmen.“

Was genau ist Delmia und was Delmiaworks?

„Delmia ist eine Dassault Systemes Brand, ähnlich wie Solidworks“, so Uwe Burk und dann präzisierte er: „In der Delmia-Brand adressieren wir alles was mit fertigungsnaher Technologie zu tun hat. Das heißt, ’u. a. die Domänen CAM, also Computer Aided Manufacturing, Fabrikplanung und -optimierung sowie künftig auch die Domänen MES und ERP. Delmiaworks definiert die Delmia-Komponenten, welche, künftig im Dassault Systèmes‘ Vertriebskanal „Professional Solutions“ zusammen mit Solidworks vertrieben werden. Mit dem Zugang zur 3D Experience Plattform, zu den Social Collaboration Services und den PLM Collaboration Services steht dem Kunden darüber hinaus auch die Möglichkeit offen, Delmia Fabrikplanungs-Apps mit in sein Lösungsportfolio aufzunehmen. Dazu vielleicht noch folgendes: IQMS / Delmiaworks ist heute eine On-Premise-Lösung mit einer Solidworks-Anbindung. Wir werden aber nicht lange auf die Verfügbarkeit von Delmiaworks als native 3D Experience Plattform App. warten müssen“ „Damit wird Delmiaworks dann auch als Cloud-Lösung über den Professional Solutions Vertriebskanal verfügbar sein“, so Burk.

Was wird aus Solidworks?

Nachdem auf der diesjährigen Solidworks World vor allem die Themen MES, ERP und die 3D Experience Plattform im Fokus standen und dies auch mit dem Schriftzug auf den an die rund 6.000 Teilnehmer verteilten Rucksäcke dokumentiert wurde – der übliche Solidworks World Schriftzug war durch den 3D Experience World-Schriftzug ersetzt worden – stellte sich natürlich die Frage, ob Solidworks nach über 20 Jahren Zugehörigkeit zu Dassault Systèmes nun auch namentlich „eingegliedert“ würde und der Name ganz verschwände? Dazu machte Uwe Burk klar: „Die Marke wird bleiben. Wir haben auf der diesjährigen Solidworks World klar dokumentiert, dass wir nach wie vor stark in Design-Applikationen investieren – Sie haben das ja mit den neuen Funktionen in Solidworks und der Applikation X-Shape gesehen. Hier bieten wir beispielsweise nicht nur eine App für die Freiformflächenmodellierung, sondern auch ein hybrides Arbeiten in Kombination mit parametrischer Modellierung. Das ist aus meiner Sicht eine sehr interessante Kombination aus Möglichkeiten, welche uns großes Potenzial gerade bei dem Kundenkreis erschließen wird, welcher heute für diese Prozessschritte noch andere Werkzeuge einsetzt. Die potenziellen Kunden werden froh sein, auf ein Werkzeug wechseln zu können, welches assoziativ mit den anderen Produkten verbunden eingesetzt werden kann und sich damit perfekt ins Solidworks-Portfolio integriert. Mit dem neuen 3D Experience PLM-Ansatz werden wir uns nicht mehr nur auf die Demokratisierung des Design-Marktes fokussieren, sondern den damit möglichen „Mainstream“-Enterprise-Markt definieren. Ein Riesenpotenzial für die Marke Solidworks.“

Software

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Unternehmen

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