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Seit 2013 ist die Zahl der Patentanmeldungen aus dem Bereich 3D-Druck jährlich um 26,3 % gestiegen.
Foto: Europäisches Patentamt
Seit 2013 ist die Zahl der Patentanmeldungen aus dem Bereich 3D-Druck jährlich um 26,3 % gestiegen.

Inhaltsverzeichnis

Innovationen

Boom bei Patenten für 3D-Druck

Das Europäisches Patentamt meldet: Die Patentanmeldungen im 3D-Druck wachsen achtmal schneller als der Durchschnitt aller Technologiebereiche

Die am 19. September 2023 vom Europäischen Patentamt (EPA) veröffentlichte Studie „Innovationstrends in der Additiven Fertigung“ zeigt, dass die Innovation im Bereich der Additiven Fertigung, auch bekannt als 3D-Druck, zuletzt sprunghaft angestiegen ist. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die weltweiten Patentanmeldungen im Bereich der 3D-Druck-Technologien zwischen 2013 und 2020 mit einer durchschnittlichen Rate von 26,3 % anwuchsen – heißt in den sieben Jahren fast achtmal schneller als der Durchschnitt aller anderen Technologiebereiche (3,3 %).

Darüber hinaus ist 3D-Druck vielfältiger geworden. Während früher die Hauptakteure etablierte Maschinenbauunternehmen waren, gibt es inzwischen viel mehr Start-ups und spezialisierte Unternehmen für Additive Fertigung (Additive Manufacturing – AM). Insgesamt wurden seit 2001 weltweit mehr als 50.000 Internationale Patentfamilien (IPF) für 3D-Drucktechnologien angemeldet. Eine IPF steht für eine bedeutende Erfindung, für die in zwei oder mehr Ländern weltweit Patentanmeldungen eingereicht wurden.

EPA-Präsident António Campinos. „Europa belegt vier der ersten zehn Plätze für Forschungseinrichtungen bei der Innovation im Segment der Additiven Fertigung. Dies ist ein gutes Zeichen für die Zukunft, da der technische Fortschritt in diesem Bereich oft auf die Spitzenforschung in diesen Einrichtungen zurückzuführen ist.“

USA im 3D-Druck-Segment weltweiter Spitzenreiter

Die USA belegen im weltweiten Rennen um die AM-Innovation den ersten Platz mit 39,8 % aller mit Additiver Fertigung verbundenen IPF zwischen 2001 und 2020. Japan landet mit einem Anteil von 13,9 % auf Platz zwei, dicht gefolgt von Deutschland, das 13,4 % aller IPF in der Additiven Fertigung beiträgt. Hier ist jedoch anzumerken, dass Deutschland zwischen 2018 und 2020 deutlich mehr Patentanmeldungen in dem Segment eingereicht hat als Japan.

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Anmeldung internationaler Patentfamilien nach Herkunftsländern 2001 bis 2020
Foto: Europäisches Patentamt
Anmeldung internationaler Patentfamilien nach Herkunftsländern 2001 bis 2020

Frankreich (Platz 4) und Großbritannien (Platz 5) landen mit 3,9 % bzw. 3,8 % der weltweiten 3D-Innovationen knapp vor China (Platz 6) und Südkorea (Platz 7), die jeweils 3,7 % bzw. 3,1 % aller IPF in der Additiven Fertigung ausmachen.

Deutschland bei 3D-Druck in Europa führend

Innerhalb der EPA-Mitgliedstaaten sticht Deutschland mit 6.700 IPF zwischen 2001 und 2020 als klarer Spitzenreiter heraus und steht für 41 % der gesamten Erfindungsaktivität im Segment 3D-Druck in Europa. Die IPF aus Deutschland sind im Bereich 3D-Drucktechnologien seit 2013 am stärksten angestiegen, von 213 auf über 1.100 im Jahr 2020 – das entspricht mehr als einer Verfünffachung. Den zweiten Platz erreicht Frankreich mit insgesamt 1.938 IPF gefolgt von Großbritannien mit 1.925 IPF. Beide weisen einen IPF-Anteil von jeweils 12 % aus.

Ob Maschinen und Prozesse, Anwendungsbereiche, Materialien, oder Digitales die Anzahl der internationalen Patentfamilien der EPA-Mitgliedstaaten wird von Deutschland angeführt. Ein genauerer Blick auf die Anwendungsgebiete zeigt, dass Deutschland zwar in allen acht Sektoren den größten Beitrag leistet, aber in den Technologiefeldern Werkzeugmaschinenbau, Konsumgüter, Transport und Elektronik klar dominiert.

Bei der Spezialisierung auf einzelnen Branchen ist Deutschland besonders stark in den Bereichen Schienenverkehr (26 % aller IPF in diesem Bereich), Landfahrzeuge (21 %), Werkzeugmaschinen (18 %), Schuhe (17 %), Luft- und Raumfahrt (15 %) und Energie (15 %).

Die wenigsten IPF weist Deutschlands in der Kategorie Gesundheit und Medizin auf. Hier sind Frankreich und die Schweiz hervorzuheben. Im Baugewerbe erweist sich Frankreich als echter Konkurrent, während im Energiesektor sowohl Frankreich als auch Großbritannien bemerkenswerte Beiträge leisten. Darüber hinaus haben Antragsteller aus der Schweiz einen relativ hohen Anteil im Lebensmittelbereich.

General Electric auf Platz 1 der Firmenrangliste

Unter den 20 größten Patentanmeldern im Bereich der Additiven Fertigung befinden sich sowohl US-amerikanische als auch europäische und japanische Unternehmen. Die drei führenden Unternehmen General Electric, Raytheon Technologies und HP kommen aus den USA. Auf Platz vier steht mit Siemens ein deutsches Unternehmen, das mit fast 1.000 IPF stärkste europäische Unternehmen der letzten 20 Jahre. Mit BASF (8.), Siemens Energy (15.) und MTU Aero Engines (18.) sind drei weitere deutsche Unternehmen unter den Top-20 Patentanmeldern im Bereich der Additiven Fertigung vertreten.

Die Fraunhofer-Gesellschaft (221 IPF) und Bosch (209 IPF) nahmen den fünften bzw. sechsten Platz der patentstärksten Unternehmen im 3D-Druck Segment in Deutschland ein. EOS landete mit insgesamt (200 IPF) auf Position sieben.

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Die drei größten Patentanmelder stammen aus den USA. Größter deutscher Patentanmelder auf dem Gebiet der Additiven Fertigung ist Siemens auf Platz 4.
Foto: Europäisches Patentamt
Die drei größten Patentanmelder stammen aus den USA. Größter deutscher Patentanmelder auf dem Gebiet der Additiven Fertigung ist Siemens auf Platz 4.

Deutsche Firmen stark im Verkehrsbereich

Mehrere deutsche Unternehmen gehören zu den Top-Patentanmeldern bei verkehrsbezogenen Anwendungen der 3D-Drucktechnologie. Siemens landet in der Luft- und Raumfahrttechnik weltweit auf Platz 4, im Bereich (Land-) Fahrzeuge auf Platz 5 und im Schiffbau auf Platz 2. Bei den Landfahrzeugen liegt Bosch sogar auf Platz 2, nach Ford und vor GM.

Obwohl große Maschinenbau-Unternehmen die Rangliste in einer Reihe von Sektoren anführen, besteht das ganze Ökosystem für Innovationen in der Additiven Fertigung aus mehreren spezialisierten 3D-Druck-Unternehmen, wie zum Beispiel EOS mit über 200 IPF, und einer lebendigen Start-up-Szene. Das zeigt die Vielzahl kleinerer Unternehmen in den Statistiken des EPA.

Deutsche KMU mit vielen Innovationen im 3D-Druck

Neben größeren Unternehmen leisten auch KMU und Start-ups einen wichtigen Beitrag zur Innovation des 3D-Drucks in Deutschland. Darunter befinden sich Firmen wie Voxeljet AG, Realizer GmbH, Bigrep GmbH, Innotere GmbH, oder die Merz Dental GmbH. Sie unterhalten ein bedeutendes Portfolio an Patenten in der Additiven Fertigung und haben sich auf 3D-Druck spezialisiert, um ihre Geschäftsentwicklung zu unterstützen. Der EPA-Bericht umfasst eine Fallstudie von Dye Mansion mit Sitz in München. Das mittelständische Unternehmen nutzte seine Patente, um damit die Finanzierung von Forschung und Entwicklung zu sichern.

Fraunhofer weltweiter Spitzenreiter der Forschungseinrichtungen

Auch Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen tragen erheblich zur Innovation im Bereich 3D-Druck bei. Etwa 12 % der IPF für den 3D-Druck haben Universitäten oder öffentlichen Forschungseinrichtungen eingereicht. Das ist fast doppelt so hoch ist wie ihr typischer Anteil (7 %).

Von den zehn führenden Universitäten, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Krankenhäusern befinden sich fünf in den USA. Eindeutiger Spitzenreiter ist jedoch die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft, die mit 221 IPF sogar weltweit Platz 21 der anmeldestärksten Unternehmen im Bereich der Additiven Fertigung erreicht. Weitere deutsche Forschungseinrichtungen mit bedeutenden Aktivitäten im 3D-Druck Segment sind das Karlsruher Institut für Technologie (33. IPF), die TU München (27.), das Max-Planck-Institut (26.), die TU Dresden (21.) sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (20.).

Globaler Markt dürfte auch künftig stark wachsen

Der Markt für Additive Fertigung hat in den letzten Jahren ein starkes Wachstum erfahren. Der Branchenumsatz belief sich nach Schätzungen von Wohlers Associates auf 18 Mrd. US-Dollar (16,2 Mrd. EUR) im Jahr 2022. Er hat sich damit von 6 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016 verdreifacht.

Zudem spielte der 3D-Druck während der Pandemie eine entscheidende Rolle bei der Umstellung auf eine lokale Produktion. Dadurch konnte die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten verringert werden. Prognosen zufolge könnte der globale Markt bis 2028 ein Volumen von 50 Mrd. US-Dollar erreichen.

Die auf Patentdaten beruhenden Untersuchungen des EPA bieten einen frühen Einblick in die künftigen Einsatzmöglichkeiten des 3D-Drucks. Da Patente Monate oder sogar Jahre vor dem Erscheinen von Produkten auf dem Markt angemeldet werden, können Patentinformationen die Richtung angeben, in die sich Technologien entwickeln. Dieser Bericht zeigt, wie wichtig der 3D-Druck für die Förderung von Innovation und Nachhaltigkeit in verschiedenen Sektoren auf der ganzen Welt ist. Er folgt auf die Veröffentlichung des ersten Berichts des EPA über Patente und 3D-Druck im Juli 2020, der sich ausschließlich auf europäische Patente konzentrierte. (gk)

Dieser Beitrag erschien zuvor in unserem Schwestermagazin K-Zeitung.